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Smartphones als Freund und Helfer im Katastrophenfall PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 20. September 2011 um 13:35 Uhr
Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der Technischen Universitaet Darmstadt (TU), Carsten Snider (l.), der Leiter des KOM, Professor Ralf Steinmetz (hinten, l.), Student Mathieu Muench (vorne, M.), der wisschenschaftliche Mitarbeiter am KOM, Johannes Wowra (r.), und Forschungsgruppenleiter Andre Koenig (hinten, r.) posieren am Freitag (16.09.11) an der TU in Darmstadt neben einer Puppe, die die Dienstbekleidung eines Feuerwehrmannes traegt, und halten ihre Smartphones vor die Kamera. (Foto: Thomas Lohnes/ dapd)Darmstadt. Ob Erdbeben, Terroranschlag oder Hurrikan - der Zusammenbruch öffentlicher Kommunikationsnetze ist im Katastrophenfall stets eines der größten Probleme für die Rettungstrupps. Nun haben Wissenschaftler an der Technischen Universität in Darmstadt eine Software entwickelt, mit der Smartphones automatisch und autonom ein energiesparendes Netzwerk aufbauen können, selbst wenn sämtliche Sendemasten in den betroffenen Gebieten zerstört sind.

Nach Ansicht von Professor Ralf Steinmetz vom Fachgebiet Multimedia Kommunikation der Hochschule werden die Möglichkeiten der mittlerweile weit verbreiteten Smartphones bislang nur unzureichend genutzt. "Moderne Geräte sind heutzutage mit einer Vielzahl an Sensoren wie GPS, Bewegungssensoren oder einem digitalen Kompass ausgestattet", sagt der leitende Forscher am Forschungsclusters "Future Internet".

Gerade weil diese Geräte prinzipiell in der Lage seien, die Umgebung nach Signalen anderer Smartphones abzutasten und diese zu empfangen, eigneten sie sich hervorragend zum Sammeln von Sensorinformationen über ihre Umwelt: "Beispielsweise wenn - wie in Katastrophenfällen - die herkömmliche Infrastruktur ausgefallen ist", sagt Steinmetz.

Spezielles SOS-Signal für den Notfall

So könne sich per Notsignal der Telefone rasch herausfinden lassen, ob sich beispielsweise noch eingeschlossene Erdbebenopfer in einem zerstörten Gebäude befinden. Der schnelle Aufbau eines solchen Informationsnetzes könne im Katastrophenfall überlebenswichtig sein.

Schließlich sind Zeit und Information die beiden entscheidenden Faktoren bei der Ersthilfe im Katastrophenfall, wie der 24 Jahre alte Matthieu Münch hervorhebt, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem Projekt mitarbeitet. Mit dem Prinzip des Overlay-Hybrid Networks (OHN) und der Software aus Darmstadt könnten die Geräte ein spezielles SOS-Signal weitergeben und erhalten, so dass ein selbstständiges Netzwerk aufgebaut werde. Doch das ist nur ein Aspekt des Projektes.

"Es geht nicht nur darum, die reine Funktion eines solchen Netzes aufrecht zu erhalten", betont Münch. Die Software ermögliche auch, dass die Daten sämtlicher Geräte auf einem Smartphone gebündelt werden, so dass wiederum die entscheidenden Informationen an die Hilfskräfte weitergegeben werden könnten.

"Es ist wichtig, dass die Helfer von außen nicht mit einer kaum zu bewältigenden Informationsflut konfrontiert werden", sagt Münch, der innerhalb der Projektgruppe für die Simulation des Systems zuständig ist. Im Extremfall könne beispielsweise aus einer Gruppe von Katastrophenopfern oder Verletzten, jemand, der noch mobil ist, mit dem Smartphone ein etwaiges Funkloch verlassen und den Standort so wechseln, dass Empfang mit den Rettungskräften zustandekommt. Die Daten der zurückgebliebenen Opfer könnten somit ebenfalls per Smartphone kommuniziert werden, erläutert Münch.

Kombination von langer Laufzeit und großer Reichweite

Mit der Software aus Darmstadt gehe es nicht nur darum, die Rettungsdienste zu informieren. Bei dem Projekt wird auch die Frage geprüft, inwieweit die Bevölkerung selbst mit in die Rettung einbezogen werden kann.

Ein ebenfalls wichtiger Aspekt sei der Energieverbrauch, da die Akkulaufzeiten der Geräte limitiert sind. Die Wissenschaftler der TU Darmstadt setzen daher bei der Übermittlung von Daten auf eine Kombination aus Bluetooth und WLAN, die sich laut Steinmetz im Notfall optimal ergänzen könnten. Per W-LAN lasse sich eine gute Reichweite erzielen und die Datenübertragung innerhalb kurzer Zeit ermöglichen. Allerdings sei der Energieverbrauch bei dieser Technologie hoch.

"Bluetooth dagegen hat einen geringen Energieverbrauch, erreicht aber auch nur eine limitierte Reichweite und benötigt relativ lange Zeit", sagt der Hochschulprofessor. Mit der Kombination beider Technologien ließen sich auch bei knapper Energie die Daten via Bluetooth an einen nahe gelegenen Nachbarn mit besseren Batteriewerten senden. Dieser könne die Informationen dann per W-LAN weiterleiten.

Neben den technischen Fragen eines solchen autonomen Netzwerkes beschäftigt die Wissenschaftler aber auch die Frage der Sicherheit.
Der 33 Jahre alte André König leitet an der Hochschule die dafür zuständige Forschungsgruppe. Sie befasst sich vor allem mit Vorkehrungen für den Fall, dass "beispielsweise im Vorfeld eines Anschlags mögliche Täter gezielte Angriffe gegen die Kommunikationsstruktur führen".
(Stephen Wolf/dapd-hes)
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 20. September 2011 um 14:34 Uhr
 

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