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DIE KOLUMNE: Das Pendel Drucken E-Mail
Freitag, den 29. April 2011 um 20:29 Uhr
Rainer SanderSchwalmstadt. Zurzeit kursiert ein Satz durch die Internetforen und Printmedien, der auch auf T-Shirts schon seinen festen Platz gefunden hat: „Erst wenn die letzte Ölplattform versenkt, die letzte Tankstelle geschlossen ist, werdet ihr merken, dass man bei Greenpeace nachts kein Bier kaufen kann.“ 

Es ist ein paar wenige Wochen her, als Deutschland im Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima bei wichtigen Wahlen ein Zeichen für die Ökologie gesetzt hat. Ob es so sein muss, dass sich alle politischen Kräfte der Republik gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen und dem Dämon Kernkraft nur deshalb abschwören, damit keine Wählerstimmen verloren gehen, ist die eine Seite. Ob all die Wähler, denen in diesem Moment das Original näher war als die vielen bunten und Schwarz-Weiß-Kopien bewusst war, was ökologische Revolution bedeutet, ist die andere Seite.

Dass die Erde sich gegen so manches wehrt, was die Erdenbürger ihr zumuten, ist schwer zu übersehen. Nun aber können wir also am Beispiel von Baden-Württemberg demnächst studieren, wie sich ein Land vom Stern auf der Haube verabschiedet und zum Radfahrervolk mutiert? Wer im festen Vertrauen darauf, dass sowieso kein Politiker seine Wahlversprechen hält, mal ein bisschen Protest gewählt hat, könnte bald eine Ahnung davon bekommen, was es heißt, Recycling und Verzicht zum Lebenszweck zu erheben und das Wirtschaftswachstum den Chinesen oder Indern zu überlassen. Von Japan mag im Moment ja niemand sprechen. Andererseits: Immer dort, wo große Katastrophen die Menschen heimgesucht haben, hat im Wiederaufbau stets so etwas wie ein Wirtschaftswunder stattgefunden. Wer könnte das besser beurteilen, als wir Deutschen.

Ob die ganze Menschheit am ökologischen Wendepunkt steht, wo mindestens die Hälfte noch im Wachstum zu uns aufschließen will? Es wird jedenfalls viele Anlässe geben, um darüber nachzudenken, was wir wirklich wollen und was uns nur ein wenig Angst bereitet. Was wir mit Bedacht und was wir hektisch verändern und ob wir verzichten können, während andere noch immer die Gier antreibt.

Dass Pendel heftig hin und her schlagen, um die Zeit anzuzeigen, wissen wir seit es Uhren gibt. Dass wir immer die Politiker bekommen, die wir wählen, im Grunde sogar schon länger. Die Erde – das ist sicher – dreht sich auch ohne uns, ohne Autos und ohne Bier an der Tanke in derselben Geschwindigkeit...

Ihr Rainer Sander
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