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DIE KOLUMNE: Wasserspiele Drucken E-Mail
Samstag, den 07. Mai 2011 um 13:40 Uhr
Rainer SanderSchwalmstadt. Dass die EU Imstande ist, alles zu regeln – auch das was sich gar nicht regeln lässt – haben wir schon oft gespürt. Seltsamerweise spielen Wassergetier oder das Wasser selbst dabei öfter eine Rolle. Dass wir in ganz Europa besonders auf Kammmolche acht geben müssen, die hier in Massen auftreten, aber in Südeuropa vom Aussterben bedroht sind, beschert uns bereits die teuersten Autobahnen der Welt. Dass benutztes (Leistungs-) Wasser sauber in den Wasserkreislauf zurückgeführt werden muss, ist klar und kein Land Europas hatte das besser gelöst als Deutschland, bis Brüssel anwies, Abwasser in Kläranlagen zu leiten, die Hausklärgruben verbot und zum Schutze des Trinkwassers, defekte Wasserleitungen sogar unter Strafe stellte. Das einzige Land Europas, das Milliarden dafür ausgab, obwohl es bereits das sauberste Wasser hatte, war Deutschland. 

Jetzt blüht uns der nächste Streich aus Brüssel. In der Denkfabrik des Brüsseler Beamten-Hochadels hat vermutlich ein zuständiger Beamter vor ein paar Wochen zum ersten Mal eine wassersparende Armatur und die Spülstopptaste einer WC-Spülung entdeckt. Ganz sicher ein deutsches Fabrikat, denn bei uns ist beides längst Standard. In manchen Regionen Ost- und Südeuropas mag das tatsächlich noch eine Entdeckung sein. Nun sollen diese Errungenschaften der Technik gesetzlich vorgeschrieben werden. Dabei werden auch viele Wasserhähne an Stellen ausgetauscht werden müssen, bei denen es nicht so sehr aufs Wassersparen ankommt.

Hintergrund auch hier: in Südeuropa ist gelegentlich das Wasser knapp. Nicht so bei uns: Die Sparwut der Deutschen im Hinblick auf das wertvolle Nass, führt in manchen Kommunen bereits dazu, dass Kanäle mit Frischwasser gespült werden müssen, weil zu wenig Flüssigkeit durch die Rohre fließt und sie zu verstopfen drohen. Es gibt also – ähnlich wie bei Kläranlagen und den Kammmolchen – hierzulande überhaupt keinen Handlungsbedarf.

Aber eins ist sicher: Deutschland hat die meisten wassersparenden Wasserhähne und Duschköpfe, wird aber auch hier - gesetzestreu - das meiste Geld dafür in Europa ausgeben. Allmählich könnte der Verdacht aufkommen, diese Verordnungen werden nur deshalb verabschiedet, um die braven Deutschen zu schwächen, weil nur sie allein jeden Unsinn akribisch umsetzen und dann kein Geld mehr für wichtige Dinge haben. Andererseits: so manches Konjunkturpaket hat gerade die deutsche Wirtschaft zuletzt mehr als beflügelt.

Ihr Rainer Sander
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