|
DIE KOLUMNE: Schrecken ohne Ende |
|
|
|
Donnerstag, den 19. Mai 2011 um 17:25 Uhr |
Schwalmstadt. Außer dass Europa unseren Wasserverbrauch regelt und Kammmolche beschützt, sorgt die EU auch dafür, dass Staaten gerettet werden. Seit Wochen hören wir Kommentare, verfolgen Diskussionen in Talkshows und lesen Berichte darüber, was am Ende teurer wäre, Griechenland nicht mehr zu helfen oder Griechenland weiterhin zu helfen. Die Meinungen gehen extrem weit auseinander und hängen strikt davon ab, wer in welcher Variante wie viel Geld verlieren wird.
Es ist erst ein Jahr her, als uns Politiker fast aller Parteien erzählten, dass es nur um eine Bürgschaft geht und Griechenland seine Schulden ganz sicher zurückzahlen wird. Als in Deutschland die Banken kriselten und die Wirtschaft stockte, gab es Rettungsschirme und reichlich Subventionen wie Abwrackprämien und Konjunkturprogramme, um gar nicht erst ans Sparen, sondern ans Konsumieren zu denken. Als Griechenland kriselte, gab es die gleichen Rettungsschirme, vor allem aber Sparzwänge und Subventionsstreichungen. Schon damals haben kluge Menschen vorhergesagt, dass Griechenlands Schulden bei abgewürgter Konjunktur eher steigen werden.
Jetzt wissen wir, dass wir wirklich zahlen statt nur zu bürgen und Griechenland es vielleicht nie schafft, seine Schulden zu bezahlen. Und wir freuen uns auf die Nachrichten in einem weiteren Jahr über Irland, Portugal und Spanien!
Geben wir Griechenland die Drachme zurück und überlassen ihnen Geldabwertung sowie Sanierung selbst, würden vermutlich viele Banken dort pleitegehen - und unsere jede Menge Geld verlieren, weil die Menschen vorher ihre Euros abheben und retten würden. Stützen wir Griechenland weiter, werden wir es vermutlich noch jahrzehntelang tun müssen...
Es gibt also keine billige Lösung mehr, niemand kann tatsächlich orakeln was teurer wird. Tatsache ist, dass wir nicht weiterhin ohne Aufstände dort über ein Land bestimmen können, deren Könige einst Europa und die damals bekannte Welt geherrscht haben. Und was unsere Politiker dazu jetzt noch sagen, glaubt sowieso niemand mehr. An der Frage scheitern Wirtschaftsexperten, aber Merkel und Brüderle erzählen uns immer noch wie die Zukunft aussieht. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, sagt Peer Steinbrück. Egal wie's ausgeht, er wird Recht behalten...
Ihr Rainer Sander
|