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DIE KOLUMNE: Das Volk Drucken E-Mail
Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 03:56 Uhr
Rainer SanderSchwalmstadt. Das Volk hat entschieden. Die Volksabstimmung über Stuttgart 21 und die Demonstrationen über die Castor-Transporte liegen nun eine knappe Woche zurück. Vielleicht der richtige Zeitpunkt zu resümieren, was tatsächlich passiert ist? Und ob es daraus etwas zu lernen gibt? 

Nur rund 41 Prozent derer, die abgestimmt haben, wollten den Bahnhofsneubau tatsächlich stoppen. Beteiligt haben sich aber nur 48 Prozent der Wahlberechtigten. Weil wir davon ausgehen können, dass all diejenigen, die wirklich gegen das Projekt waren, die Volksabstimmung also wollten, diese auch genutzt haben, bleibt als Resümee, dass gerade mal 20 Prozent der Baden-Württemberger gegen Stuttgart 21 eingestellt sind.

Medial ist in den letzten zwölf Monaten allerdings der Eindruck entstanden, ein ganzes Bundesland sei gegen das Großprojekt und habe deswegen auch seine alte Regierung abgewählt.

Aber weil des einen Leid bisweilen einen anderen glücklich macht, hat die neue Regierung in Baden-Württemberg wohl mehr von der Reaktorkatastrophe in Japan und dem damit verbundenen Eiertanz des bürgerlichen Parteienlagers profitiert, als von den S-21-Gegnern. In dessen Folge wurde der Atomausstieg beschlossen und die Suche nach einem Endlager neu geregelt. Aber gerade in der Phase der „Abwicklung des Atomenergiestaates“ finden die heftigsten Proteste gegen Castor-Transporte statt, die es je gegeben hat. Dabei mögen sich die meisten die Augen gerieben haben, gegen wen oder was da eigentlich demonstriert wird. Die atomare Hinterlassenschaft werden wir geordnet beseitigen müssen, rumliegen lassen wird schlecht gehen. Im Fernsehen waren Demonstranten zu hören, die es bedauern, bald nicht mehr demonstrieren zu können. Familienevent statt Bürgerprotest? Verkehrte Welt!

Im Grunde könnten alle etwas aus der Volksabstimmung und an den Castor-Transporten lernen. Wenn es gelingt so zu protestieren, dass es eine relativ deutliche Minderheit nicht schafft so zu wirken, als sei sie die Mehrheit und wenn sie am Ende auch in der Lage ist, die wirkliche Mehrheit zu respektieren, hat die Streitkultur im Lande einen großen Schritt nach vorn gewagt. Gelingt es der Politik zudem noch das Volk weniger anzuschwindeln und in Planungen einzubeziehen, erübrigt sich zukünftig so mancher Protest…

Ihr Rainer Sander
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Kommentare

 
+2 # M.Heinzler 2011-12-02 01:54
S21 wurde durch die lokalen Medien indirekt protegiert, kritische Berichte fehlten, Recherche, warum die Leute protestieren, fand nicht statt. Jahrelanger Bürgerprotest wurde ebenfalls nie erwähnt. Bürgermeister wurden vor den Karren gespannt und verkündeten ständig: S21 ist wichtig für die Region, ohne dies näher zu erläutern.
Als die Volksabstimmung näher kam und die Projektbetreiber befürchten mussten, dass die Tiefbahnhofsgegner ihnen das Geschäft vermasseln könnten, haben sie mit zig Millionen die Werbemaschinerie in Gang gesetzt und mit Sprüchen wie "1,5 Mrd Ausstiegskosten", "fertig bauen"
(obwohl noch nicht mal richtig begonnen wurde), "Fahrzeitverkürzungen für alle", "schnellere Züge", "mehr Bahnverbindungen", "Wohnungen", "Parks" etc. Unwahrheiten in Ba-Wü gestreut.
Und nun kommen Sie mit so einem Artikel.
Lernen kann man aus dieser Volksabstimmung nur, dass objektive Berichterstattung fundamental wichtig ist.Ich befürchte aber, dass es je nach Interessenslage.....auch das nächste Mal nicht anders kommt.
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