Kolumne
DIE KOLUMNE: Abgas Drucken E-Mail
Donnerstag, den 28. April 2016 um 20:50 Uhr

©Archivfoto: dapdSchwalmstadt. Entscheidend ist, was hinten rauskommt, soll Helmut Kohl einst gesagt haben. Das war irgendwie qualitativ gemeint und wurde fäkal gedeutet. Mit dem was hinten zu viel rauskommt, haben Autobauer inzwischen weltweit quantitativ mehr oder weniger große Schwierigkeiten.

Offensichtlich haben die meisten von ihnen nicht geglaubt, dass alle Gesetzgeber, die sich dem Umweltschutz und dem Klimawandel verpflichtet sehen, ihre Abgasnormen tatsächliche ernst gemeint haben. Also, das war kein Spaß! Die Luft soll wirklich sauberer werden! Und Verstoß gegen Gesetze wird bestraft! Das ist in den meisten Ländern so, also auch keine Überraschung!

Dass Volkswagen nur die Spitze des Eisberges ist, konnten wir ahnen. So langsam und so sorgfältig wie Verwaltungen weltweit nun einmal Arbeiten, so gemächlich kommt die ganze Wahrheit ans Licht. Ein Kfz-Produzent nach dem anderen fällt mit zu hohen Werten auf. So frech betrogen wie Volkswagen, mit einer eigens produzierten Schummel-Software, hat bisher offensichtlich niemand. Der Konzern zeigt Reue und kauft in Amerika, wo Schummelei teurer wird, seine Autos zurück.

Und jetzt – nachdem man sich in Amerika, wo harte Strafen den Volkswagenkonzern durchaus existenziell bedrohen könnten, auf einen ersten Vergleich einigen konnte – kommen die deutschen Autofahrer und wollen, dass VW auch ihren (doch in die Jahre gekommenen) Gebrauchten zurückkauft, weil sie sich sonst als Geschädigte zweiter Klasse fühlen. Und auch sie werden in irgendeiner Partei jemanden finden, der diese Auffassung teilt.

Noch fällt es mir allerdings schwer zu erkennen, durch was ein deutscher Autofahrer geschädigt wurde, es sei denn, Minister Schäuble verlangt rückwirkend einen höheren Kfz-Steuer – was ich ihm durchaus zutraue, er sich aber selbst nicht trauen wird. Ich kenne Niemanden, der jetzt weniger Geld im Portmonee hätte. Mehr Abgase haben ganz offensichtlich alle anderen Autohersteller auch produziert und einatmen mussten weniger die Fahrer – die sitzen im Auto – sondern alle, die nicht diese Autos fahren. Wenn die jetzt Schadenersatz verlangen würden, könnte ich das eher verstehen.

Aber das kann ja noch kommen, denn nicht zuletzt stellen sich jetzt auch schon mal die Aktionäre in die lange Reihe der mutmaßlich Geschädigten und wollen Ausgleich für den gesunkenen Börsenwert. Am Ende – wenn alle wirklich das bekämen, was sie meinen bekommen zu müssen – stellt vielleicht nur noch einer eine einzige Frage: der Insolvenzverwalter, der ausrechnen muss, wie viel jeder Kläger von seiner Forderung tatsächlich erhält?

Und was ist, wenn einer nach dem anderen – jetzt auch alle anderen Autohersteller – ihre wahren Abgasemissionen publizieren müssen? Fahren wir dann alle wieder Fahrrad oder kauft China am Ende alle Automarken billig aus der Insolvenzmasse? Oder Google, Apple und Tesla, die dann Elektroautos bauen, was scheinbar sowieso die einzige Alternative ist? Denn eines scheint die Abgaskrise zu offenbaren: zu einem bezahlbaren Preis sind niedrigere Abgaswerte nicht zu bekommen. Die Zukunft unserer Umwelt liegt nicht in effizienteren Verbrennungsmotoren…

Ihr

Rainer Sander

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