Kolumne
DIE KOLUMNE: Europa Drucken E-Mail
Freitag, den 09. Mai 2014 um 17:43 Uhr

Rainer Sander Schwalmstadt. Wir fahren Autos aus Frankreich, Rumänien oder Korea. Sie fahren mit Benzin aus Saudi-Arabien, Venezuela und Norwegen. Wir essen Gemüse aus Holland, Polen und Südamerika oder Obst aus Spanien, der Türkei und Südafrika. Wir tragen Blusen, Hemden und Hosen aus Indien, Malaysia oder Thailand. Unsere eigene Industrie produziert mit Rohstoffen aus Amerika, Osteuropa und Asien.

Unsere Wärme erzeugen wir mit Solarzellen kaum noch aus eigener Produktion, sondern vermehrt aus China. Das Gas für unsere Kraftwerke und Heizungen kommt aus der Nordsee, dem Nahen Osten und vor allem aus Russland. Und das ganze Weltgeschehen verfolgen wir auf Fernsehern aus Südkorea und Japan, während wir telefonieren und uns auf Computern sowie Smartphones aus Finnland, Hongkong und Taiwan vernetzen. Und wer das alles nicht aushält, spült das ganze herunter mit Schnaps aus Schottland, der Ukraine oder Deutschland und wem selbst das nicht reicht, der findet „halluzinogenes“ in Tschechien, Afghanistan oder Kolumbien…

Es ist also völlig egal, ob wir das Leben bewusst genießen, engagiert dafür arbeiten oder alles nur gedämpft ertragen: stets sind wir darauf angewiesen, überall auf dieser Welt etwas kaufen und bezahlen zu können. Andererseits funktioniert das nur, wenn ganz viele auf der ganzen Welt in Deutschland das kaufen, dass wir hier produzieren - und wenn es nur die Technologie ist, mit der wir die Nase noch ein wenig vorne haben.

Wer genau hinsieht erkennt, dass unser Wohlstand zwar nicht vom Himmel fällt, aber auch nicht daher kommt, dass wir schlauer sind oder mehr arbeiten als andere. In den Fabriken von Bangladesch oder auf Baumwoll- und Kaffeeplantagen in Afrika, Asien und Südamerika wird nicht über Rente mit 63 diskutiert, sondern über „echte Lebensarbeitszeit“. Und wenn es uns in diesem Spiel tatsächlich besser geht als anderen, dann liegt das auch ein bisschen daran, dass wir einerseits selbst maßvoll sind aber andererseits auch nicht ungeschickt darin, andere im weltweiten Handel ein wenig über den Tisch zu ziehen.

Unsere Welt funktioniert tatsächlich deshalb, weil wir es geschafft haben, einen globalisierten und vernetzten Handel zu organisieren. Das wussten selbst unsere Vorfahren schon bestens, denn auch Römer und Germanen haben sich die meiste Zeit nicht geprügelt und sich nicht irgendwann nur hinter dem Limes versteckt, sondern sehr intensiv Handel getrieben.

Seit Wochen hängen – zumindest dort, wo noch immer genügend Parteisoldaten existieren – die Plakate zur Europawahl. Wir dürfen demnächst darüber mitentscheiden, ob sich Deutschland wieder mehr als autonome Republik versteht oder weiter intensiv in Europa mitspielt. Die Ansichten, welche Variante die Klügere wäre, gehen extrem auseinander. Wer beobachtet, wie empfindlich Volkswirtschaften reagieren und wie instabil Regionen – wie die Ukraine – sein können, hat vielleicht auch eine Ahnung davon, wie wertvoll es ist miteinander um Lösungen zu ringen, auch wenn es noch so schwierig ist…

Ihr

Rainer Sander

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