Kolumne
DIE KOLUMNE: Gesundheit! Drucken E-Mail
Samstag, den 06. Mai 2017 um 18:54 Uhr

Symbolfoto: dapdSCHWALMSTADT. Gesundheit sagen wir, wenn jemand hustet oder niest, Wie geht es Dir, fragen wir höflich, wenn wir wen treffen. Gerne gut, ist die Devise. Aber wie steht es um die Gesundheit des Systems? Fehlen bald die Ärzte? Was macht uns eigentlich krank? Die moderne Medizin orientiert sich an ökonomischen Abläufen. Die Diagnose erfolgt nach ICD und die Behandlung nach zunehmend festgelegten Behandlungsplänen. Wer diese als Arzt nicht „abarbeitet“, läuft Gefahr, in Regress genommen zu werden. Damit kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, die Therapie ist festgelegt, das Ergebnis auch und im Grunde auch die Kosten. Alles nach Plan!

Wir wissen auch wann wir zum Arzt müssen! Von wegen einen Tag krankmachen? Wir gehen heute auch bei einem Schnupfen zum Arzt, von dem wir früher wussten, dass der nach drei Tagen wieder weg ist. Aber ohne gelben Schein geht nichts mehr. Wir bekommen heute Analysen aus unseren Laborwerten und mit ihnen jede Menge Angst. Es werden erstaunlich viele Krankheiten entdeckt, die früher gar keine waren oder unentdeckt von allein wieder verschwunden sind. Heute behandeln wir Sachen, die kein Problem sind, aber eins werden könnten.

Wir entdecken bei Abweichungen von Normwerten sogar völlig neue Krankheiten und für die werden natürlich auch Medikamente entwickelt. Wir impfen gegen alles und jeden und müssten längst alle kerngesund sein. Stattdessen werden Allergien immer mehr und bedrohlicher, Diabetes, Schildrüsen-Erkrankungen, Osteoporose und der gesamt rheumatische Formenkreis nehmen zu.

Aber für (fast) alles gibt es eine medizinische Lösung. Zur Not gibt es eine neue Hüfte, ein neues Knie, vorsichtshalber mal ein Antibiotikum oder eine schöne klinische Therapie. Aber da lauert der unbesiegbare Feind, den wir bei alledem selbst gezüchtet haben: Die mehrfach multiresistenten Keime. Wir können fast jedes Symptom bekämpfen, aber da erkennen wir die Grenzen und das Problem fängt gerade erst an. Und uns gehen die Ärzte aus, die das alles noch stemmen und nach „Schema F“ Medizin machen wollen.

Aber jetzt kommt die Digitalisierung. Aber nicht, damit wir mehr und bessere Leistungen bekommen. Nee, nee! Weniger Personal und billigere Leistungen sind das Ziel. Wenn wir pflegebedürftig sind, bringt uns irgendwann ein Roboter irgendwann den Toilettenstuhl und das Essen, analysiert über den Port permanent die Vital- und Blutwerte und dosiert die Medikamente oder justiert den Herzschrittmacher. So wie viele Geburten schon lieber per Kaiserschnitt als natürlich geschehen, kommen die Nährstoffe sicher irgendwann über die Sonde, der optimalen Balance und Versorgung wegen. Warum eigentlich noch so etwas personalaufwendiges wie Essen kochen, füttern und Geschirr reinigen?

Wenn ein Single in der nächsten Phase der Gesundheitsversorgung pflegebedürftig wird, dann wird er so einsam und mechanisiert – aber maximal gesund - sterben, dass er sich danach sehnen wird, es gäbe weniger Medizin und dafür mehr Menschen! Vielleicht könnte würde er doch lieber früher sterben, anstatt perfekt versorgt zu sein. Auch in den Pflegeheimen werden Computer oder Maschinen die Regie übernehmen und wir werden die Diskussion wieder aufnehmen, ob das Mehrbettzimmer nicht doch menschlicher ist, damit die Pflegebedürftigen sich wenigstens untereinander sehen, wenn sonst schon Roboter die Arbeit der Menschen übernommen haben.

Ihr

Rainer Sander

 
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