Kolumne
DIE KOLUMNE: Welt in Ordnung Drucken E-Mail
Freitag, den 20. Februar 2015 um 14:20 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Eine neue Studie hat uns vergangene Woche erklärt, dass sich Ossis und Wessis immer näher kommen und ähnlicher werden. Die meisten bekennen sich zur Demokratie – was ja schon ganz schön ist – 70 Prozent in Ostdeutschland glauben, dass die DDR eine Diktatur gewesen ist aber 54 Prozent haben vergessen, dass dort auch Unrecht geschehen ist. Statistiker werten das als Symbol für das wachsende Bekenntnis zur Einheit und zur Annäherung zwischen Ost und West. Was bleibt, ist die Frage, was jetzt schöner ist: das positive Gedanken offensichtlich stärker sind als ein negatives Trauma oder dass weder der Geschichtsunterricht noch die Erinnerung richtig funktionieren?

Wir neigen gelegentlich dazu, unserer Vergangenheit den Stempel „Erledigt“ zu geben und sie irgendwo wegheften zu wollen, weil der Vorgang einfach abgeschlossen ist. So, wie ein Behördenvorgang oder ein Gerichtsverfahren. Entscheidung, rechtskräftig, erledigt! im Grunde erklärt die Studie etwas ganz anderes: Fast ein Viertel derjenigen, die das Ende der DDR noch erlebt haben, lebt gar nicht mehr und ein weiteres Viertel hat noch nicht gelebt oder war zu jung, um sich zu erinnern. Das sorgt in den 10,5 und 5,5 neuen Bundesländern für eine erhebliche „Verschiebung“.

Wer irgendwann, in irgendeiner Situation einmal Opfer gewesen ist weiß, dass endgültige Freiheit, die weder die Seele frisst noch Organe krank macht, erst entsteht, wenn man die Opferrolle aufgibt. Sich nicht mehr als Opfer zu fühlen, nichts nachzutragen, nichts mehr klären zu wollen, weder Groll noch Hass zu empfinden, hat etwas mit „Verzeihen“, ganz sicher aber nichts mit „Vergessen“ zu tun. Verdrängung macht genauso krank wie Hass und Rache. Wenn nun ein ostdeutsches Bundesland den verbliebenen Rest der „Täter“ wieder in die Regierung ruft, dann sicher nicht, weil Bürger sich noch immer an ihnen rächen müssen. Wohl auch nicht aus Liebe, aber ganz sicher deshalb, weil die Normalität zurückgekehrt ist und sich Nachbarn wieder in die Augen sehen können.

Wir fragen uns gerne, wie sich frühere Nachbarn im ehemaligen Jugoslawien plötzlich über den Haufen schießen und gegenseitig ihre Frauen vergewaltigen können und hinterher wieder nebeneinander leben können. Wer in die Ukraine schaut, den Dschihadisten zuhört, aber auch den Pegidas, weiß, dass so etwas jederzeit und überall möglich ist, aber auch dass jeder Krieg mit dem Frieden endet und irgendwann immer der Tag der Normalität kommt. Und es sind stets die Verlierer, die über den Zeitpunkt von Normalität entscheiden.

Am Geschichtsbild dürfen wir also etwas arbeiten, die Tatsache, dass offensichtlich nur noch Politiker andere an dem messen, was vor mehr als 25 Jahren passiert ist und nicht an dem, wo wir heute stehen, beruhigt einigermaßen. Und die statussymbolgeprägten Wessis können sich auch beruhigen. Die Bereitschaft, den „armen“ Ossis zu helfen bekam nach der Wende erste Risse, als die ersten BMW, Mercedes und Porsche mit ostdeutschen Kennzeichen auftauchten. Alles ging, nur keine reichen Ossis. Aber genau hier ist jede Sorge unbegründet. Im Westen werden immer noch zweieinhalb Mal so viel Cabrios zugelassen, wie im Osten. Während Wessis auch bei Volkswagen lieber Autos der Konzern-Mutter fahren, bevorzugt der Osten Skoda. Japaner und Franzosen wie Renault, sind im Osten stärker als im Westen und der Dacia ist im Osten wirklich ein Statussymbol, ganz anders als die S-Klasse. Also: egal, wie man schaut, die Welt ist in Ordnung…

Ihr

Rainer Sander

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