Kolumne
DIE KOLUMNE: Strom kommt aus der Steckdose? Drucken E-Mail
Donnerstag, den 16. April 2015 um 19:53 Uhr

©SymbolfotoSchwalmstadt. Warum weiß jeder, der schon mal ein Windrad gesehen hat, wie Stromwirtschaft und Energiewende funktionieren? So könnte man die „Kommentare und Weisheiten“ in diversen Foren und Kommentarfunktionen zur geplanten SuedLink-Strom-Leitung zusammenfassen. Aber:

Bayern (und auch Hessen) haben keinen Strommangel! Schleswig-Holstein hat aber einen Überschuss, der sich dort nicht speichern lässt! Und man „GLAUBT“, dass durch die Energiewende Süddeutschland diesen Strom brauchen kann, wenn weitere AKWs abgeschaltet werden.

Um das herauszufinden hat man hat in Berlin die Netzbetreiber (!) wie TenneT beauftragt, den Bedarf an Leitungskapazität zu ermitteln. Dieses Firmen werden dann auch die Leitungen bauen und später das Netz betreiben. Und weil das in einer Hand heikel ist, hat man die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde daneben gestellt, damit beispielsweise kein „künstlicher“ Bedarf errechnet werden kann. Ohne eigene Bedarfsplanung ist das aber gar nicht so leicht zu überprüfen…

Weil niemand 35 Milliarden herumliegen hat und gleichzeitig die deutschen Lebensversicherer in der  aktuellen Niedrigzinsphase ihre Riester- und Rürup-Renditen nicht mehr erwirtschaften können, die lange propagierte private Altersvorsorge also kippt, verspricht die Bundesnetzagentur diesen Investoren eine Rendite von 9,05% jährlich und zwar egal, wieviel Strom durch SuedLink fleißt (http://versicherungswirtschaft-heute.de/maerkte/neun-prozent-rendite-fur-netzausbau/)! SuedLink muss also gar keinen Strom transportieren, aber die Verbrauchen zahlen die garantierte Rendite über ihre Strompreise. Das ist gut für alle, die hier investieren werden!

Seit der Bedarf ermittelt wurde, hat sich die dezentrale Energiegewinnung deutlich verändert. Wenn es stimmt, was TESLA am 30. April verkünden wird und was kein Auto sein wird, wie es Firmenchef Elon Musk bereits gesagt hat, dass das US Unternehmen, das in den USA inzwischen mehr Oberklasse-E-Autos verkauft als die gesamte deutsche Oberklassenelite an Benzinern zusammen, nämlich Stromspeicher für den dezentralen Einsatz, um seine Batterieproduktion hochzufahren und den Preis dafür drastisch senken zu können, dürfte das auch viele Leitungsprobleme dramatisch verändern, weil gespeicherter Strom nicht transportiert werden muss (http://bgr.com/2015/03/30/tesla-new-product-announcement-april-30th/).

Gleichzeitig verfallen die Preise für Photovoltaikanlagen so dramatisch, dass sie sich auch ohne jegliche Förderung rechnen. Das schafft erhöhte Nachfrage und noch mehr dezentralen Strom, der dank Speicher dann sogar verfügbar ist, wenn keine Sonne scheint oder kein Wind bläst. Was bliebe, wäre eine gigantische Stromleitung, die sich für die Betreiber und Investoren auch dann rechnet, wenn sie gar keinen (Öko) Strom transportiert, weil die Renditen garantiert werden…

Ich habe eine Rürup-Lebensversicherung, freue mich also schon über die Rendite aus den 9,05 Prozent. Weil ich außerdem eine PV-Anlage auf dem Dach und dank Tesla wohl demnächst einen bezahlbaren Speicher haben werde, bin ich dann an der Refinanzierung der SuedLink-Trasse über den Strompreis auch nicht mehr beteiligt! Hurra! Also bin ich aus ganz egoistischer ökonomischer Sicht ganz klar für SuedLink! Andererseits wirft das Projekt so viele Fragen auf, dass ich mir gut vorstellen kann, dass es der größte Unsinn sein wird, der in Deutschland jemals produziert wurde.

Ihr

Rainer Sander

 
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