Kolumne
DIE KOLUMNE: Fürs Sparbuch zahlen? Drucken E-Mail
Mittwoch, den 11. Juni 2014 um 17:07 Uhr

Rainer Sander Schwalmstadt. Nur das Anstandsstück ist übrig geblieben, als die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß die Zinsen gesenkt hat… 0,15 Prozent kostet das Geld bei den Frankfurter Währungshütern noch. Im Grunde nichts mehr. Und damit es auch auf jeden Fall im Umlauf bleibt, müssen Banken ab sofort dafür zahlen, wenn sie es deponieren.

Nun, wenn Geld keine Zinsen mehr bringt und die Aufbewahrung sogar kostet, ist der Weg nicht mehr weit, bis Geld auch auf dem Sparbuch nicht mehr kostenlos deponiert werden kann. Gebühren statt Zinsen? Beispielsweise in Dänemark oder in der Schweiz gibt es das bereits. Omas Sparstrumpf ist also plötzlich wieder besser als das Sparbuch?

Das alles geschieht, um mit Brachialgewalt die Inflation anzukurbeln, damit sich die öffentlichen Haushalte entschulden. Dafür wird die Geldmenge erhöht, die Spareinlagen schrumpfen, Zinsen gibt es nicht mehr und damit zahlen nun endlich doch die Sparer in Europa für die Schuldenpolitik der Staaten. Aber wir wählen schließlich in ganz Europa auch Regierungen, die uns alles versprechen – und zunehmend halten – und damit weiter Schulden produzieren. Sogar in Deutschland, wo wir stets überall lautstark verkünden, dass wir es besser wollen. Rente mit 63, mehr Geld für Eltern, mehr Mittel für die Pflege, mehr Bares für die Gesundheit, mehr für…

Die private Altersvorsorge geht durch die Inflation kaputt und die staatliche durch Geschenke? Wir werden zwar offiziell mit 63 die Arbeit einstellen können, tatsächlich aber bis 70 weiterarbeiten, weil nicht reicht, was gezahlt wird. Der Markt, die Inflation und die EZB regeln auch das.

Die Entscheidung der EZB macht allerdings nachdenklich. Wenn es so dringend notwendig ist, eine spürbare Inflation zu produzieren, wo es die jahrzehntelang zu bekämpfen galt, steht es dann um Europa und den Euro schlechter, als bisher immer behauptet und es war von vornherein das erklärte Ziel, die Sparguthaben der Bürger zu schrumpfen und die Staatshaushalte zu sanieren?

Aber wer sagt, dass die Inflation jetzt wirklich kommt? Sie kam bei 0,5 Prozent nicht, bei 0,25 Prozent nicht und mehr geht jetzt nicht. Was ist, wenn die Nachfrage nicht seigt, weil das Geld zwar von Firmen und öffentlichen Haushalten aufgesaugt wird, aber die Verbraucher in Europa gar nicht mehr kaufen wollen – oder können? Es ist die letzte Hoffnung. Danach bleiben nur noch die Währungsreform oder eine einmalige Vermögensabgabe „über Nacht“…

Ihr

Rainer Sander

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