Kolumne
DIE KOLUMNE: Totale Überwachung Drucken E-Mail
Donnerstag, den 31. Oktober 2013 um 08:17 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Was haben sich Stasi und KGB noch mühen müssen, um die totale aber dennoch nicht allumfassende Überwachung aufzubauen. Auch George Orwell hat in seinem Roman 1984 ein Szenario aufwändiger Inszenierungen beschrieben, um den Großteil der Menschen zu überwachen. Nicht ohne Lücken.

Die Stasi musste Tausende Haupt- und nebenamtliche Spitzel beschäftigen. Die drangen in Räume ein, installierten Mikrofone, verlegten Tausende Kilometer Kabel, bauten Tonbänder auf und verwalteten unvorstellbare Berge von Akten, Magnetbändern und Fotografien. Nachbarn im Treppenhaus oder beim Bier auszuhorchen und alles aufzuschreiben war zeitraubend und teuer. So hatte alles seine Grenzen, entweder finanziell, technisch oder personell.

Im Sozialismus galten Funktelefone als Inbegriff kapitalistischer Verkommenheit. Hätten die Kommunisten in die Entwicklung der Handynetze investiert, sie hätten Milliarden schwer zu beschaffender Devisen gespart und sich vielleicht ins nächste Jahrhundert gerettet. Tja, aufs falsche Pferd gesetzt… Willkommen in der digitalen Welt!

Heute erleben wir, wie einfach es ist, die ganze Welt lückenlos zu überwachen. Und die Technik dafür kaufen wir uns alle artig selbst. Den Geheimdiensten reicht eine zentrale Software zum knacken aller Sicherheitssysteme und zum Abhören, ein ordentlicher Satz Festplatten zum Speichern und ein gescheites Suchprogramm, um nach Keywords wie Bombe oder Taliban zu filtern. Und schon können Milliarden Bits und Bytes zielsicher ausgewertet werden. Kein Geheimdienst hätte sich diese paradiesischen Verhältnisse vor wenigen Jahren schon vorstellen können.

Und weil Kanzlerinnen, Minister, Staatssekretäre, Könige und Präsidenten auch mit Handys telefonieren und Windows-Computer benutzen, ist es ganz einfach zu erfahren, was Freund und Feind so planen. Toll! Und das Beste: Wirklich wehren kann sich niemand dagegen. Es gibt keinen wirklichen Schutz. Im Grunde kann jedes Handy auch zum Abhören benutzt werden, denn es hat ein Mikrofon und kann Daten übertragen. Man muss nur eine Software besitzen, mit der sich das Gerät unbemerkt aus der Ferne ein- und ausschalten lässt. Ach ja, und Kameras haben die Dinger auch…

Wer als öffentliche Person in den letzten Jahren sein Handy neben das Bett gelegt hat, wird – wenn es nicht sein eigenes Bett war – munter erpressbar sein. Nächstes Jahr kommt die Google-Brille zur permanenten Visualisierung und Übertragung von Daten und damit die nächste Stufe der totalen gegenseitigen Überwachung. Apropos Google und Facebook: Da stehen angeblich längst auch alle Türen offen. Und ob Russen, Engländer und Deutsche (?) das auch können, ist fast egal. Ich träume von einem Haus im Wald, umgeben von Funklöchern und ohne Verkehrsanbindung…

Ihr

Rainer Sander

 
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