Kolumne
DIE KOLUMNE: Snowden Drucken E-Mail
Montag, den 04. November 2013 um 08:20 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt. Seit es Geheimdienste gibt, klingen Geheimdienstgeschichten immer irgendwie gleich: die Agenten verschiedener Länder spähen sich und die Regierungen gegenseitig aus und immer dann, wenn jemand genug spannende Informationen hat, wechselt dieser vielleicht mal die Seite, wird als Überläufer gefeiert, genießt kurzen Ruhm und verschwindet dann für immer entweder in der Versenkung oder auf dem Friedhof.

Wer als Mitarbeiter zum Geheimdienst geht, fällt dabei selten seinem jugendlichen Leichtsinn zum Opfer und begeht mit dieser Berufswahl eine Jugendsünde.

Wer als Agent arbeitet, sucht auch nicht immer nach schönen Frauen und Action, außer er heißt James Bond und hört auf den Namen 007. Im allgemeinen ist das Berufsbild bekannt und jeder, der im Verborgenen arbeitet, weiß, dass er von diesem Moment an, stets am Rande der Legalität – auf welcher Seite davon auch immer –, Informationen beschafft, die als brisant und zumeist als streng geheim eingestuft werden.

Hierzulande wird lebhaft diskutiert, ob sich amerikanische Geheimdienste nach deutschem Recht strafbar gemacht haben. Also, mir ist kein einziges Land der Welt bekannt, in dem ein Gesetz für fremde Geheimdienste regelt, wie sie bitteschön die eigenen Geheimnisse legal ausspähen und hohe Beamte oder Regierungsmitglieder bespitzeln dürfen. Geheimnisse außer Landes zu schaffen, dürfte daher immer und überall strafbar sein, völlig egal, auf welcher Seite man sich bewegt.

Man kann Edward Joseph Snowden heute feiern. Bevor er zum Überläufer wurde, hätte das garantiert niemand getan. Und wäre er kein Überläufer, so würde ihm auch hierzulande Gefängnis drohen - wenn er deutsche Geheimnisse ausgekundschaftet hat…

Wir haben es jedenfalls nicht mit einem liebenswürdigen Kumpel deutscher Politiker zu tun, sondern mit einem jungen Mann, der unschuldig zu Lächeln vermag, aber sicher ganz bewusst und nicht aus Versehen einen Beruf ergriffen hat, in dem er andere ausspioniert hat. Ob sich das Gewissen oder der Geltungsdrang am Ende für etwas anderes entschieden haben, wer weiß? Aber er weiß, was mit Agenten bei den „Ausgespähten“ und mit Überläufern zu Hause passiert, das hat man ihm beim CIA und später beim NSA beigebracht. Alle „Großen“ Agenten haben diese Frage vorher geklärt!

Mir fällt dieses allgenmeine Mitgefühl mit dem armen Whistleblower unendlich schwer. Auch ein Herr Ströbele weiß um diese Dinge und als Anwalt hatte er weder Probleme, den heute führenden Neonazi Mahler, noch seine früheren Bader-Meinhof-Kollegen zu verteidigen. Das war anwaltliches Interesse und auch jetzt geht es nicht um eine politische Entscheidung. Es geht weiterhin um nüchternes Kalkül. Der gute Edward Snowden dürfte allen Beteiligten jedenfalls auch weiterhin – nach seiner Aussage - eher gleichgültig bleiben…

Ihr

Rainer Sander

 
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