Kolumne
DIE KOLUMNE: Gottes Wille… Drucken E-Mail
Donnerstag, den 08. Januar 2015 um 08:05 Uhr

Rainer SanderSchwalmstadt | Paris. Die Redaktion des bekanntesten französischen Satire-Magazins ist ausgelöscht – erschossen, hingerichtet, tot. Gehört eigentlich viel Mut dazu, mit Sturmgewehren gegen Bleistift und Computertastatur vorzugehen und anschließend hasenfüßig durch die Straßen von Paris zu flüchten? Wo war die Courage der Attentäter, zur „gottesfürchtigen“ Tat zu stehen und sich selbstbewusst und märtyrerhaft der französischen Justiz sowie dem Willen des französischen Volkes zu stellen, wie einst Martin Luther – „hier stehe ich, ich kann nicht anders“?

Wer selber scheibt, weiß, wie sehr er jetzt von der Laune empfindlicher Zeitgenossen abhängig ist, in einer Zeit, in der Hass und Intoleranz mehr als nur eine Modeerscheinung sind. Fast jede Meldung ist heute in der Lage einen Shitstorm zu provozieren. Und wer die ersten Reaktionen auf den Terroranschlag liest, könnte meinen, man habe sowohl seitens der Islamisten als auch seitens der Islamfeinde auf genau diesen Anschlag gewartet, um bessere Argumente zu bekommen. Endlich ist der Ernstfall eingetreten und die selbsternannten Propheten aller Religionen sind präsent und wissen, was Gott will und die Menschheit braucht.

Hat Gott – und ich vermute es gibt nur den einen (zumindest bis Abraham war das unter Moslems, Juden und Christen unstrittig) - tatsächlich überhaupt Propheten gebraucht? Menschen, die verkünden, was er sagt? Hören wir nicht alle sehr deutlich selbst, was Gott uns sagt und ignorieren es genüsslich, weil die Lösung zu unbequem wäre? Ich frage mich seit Jahrzehnten schon, was die göttliche Botschaft ist? Was ist das Ziel, das diese Erde erreichen soll? Irgendwann explodiert die Sonne und verbrennt alles auf diesem Planeten und dann war alles hier umsonst? Keine Menschen mehr, keine Zivilisation und keine Religion? Wozu dann die Kriege und Auseinandersetzungen, der endlose Streit um den wahren Glauben und den echten Gott, wenn am Ende definitiv nichts übrigbleibt – außer diesem Gott?

Ja, ok, wir wissen nicht was wirklich bleibt, aber es kann nicht viel weltliches sein, das dann bei absolutem Nullpunkt durch das Universum irrt und auf neue, andere oder gleiche Wahrheiten trifft. Dieses riesige „Nichts“, das dennoch irgendeinen Sinn ergeben muss, ist so wahnsinnig schwer vorstellbar! Und für dieses überwältigende „Nichts“ am Ende aller Tage schickt Gott Propheten und Vollstrecker auf diese Erde, die den Menschen verkünden, was sein Wille ist, nämlich dass wir die richtige Religion verbreiten, dem rechten Glauben folgen, Ungläubige umbringen, Gottes-Söhnen folgen, Weltuntergänge und Auferstehungen feiern, wenn am Ende nichts übrig bleibt, als ein Haufen Staub und ein Gott ohne Menschheit?

Nee, nee, das kann nicht die einzige Wahrheit sein und nicht der einzige Zweck für das Leben hier auf Erden. Wenn das alles einen Sinn ergibt und unsere Seelen eines Tages Erlösung finden, dann weil wir selbstbewusst miteinander eine gemeinsame Welt gestaltet haben! Hier geht es nicht um Islam oder Christentum. Das ist mit Sicherheit nicht Gottes Frage an uns. Die Millionenfrage heißt nicht „Wer hat Recht?“ a) der Islam, b) das Christentum, c) das Judentum, d) der Buddhismus, sondern „Wie meistern wir die gigantischen Herausforderungen auf dieser Welt entschlossen gemeinsam?“ Vermutlich liegt genau in der Antwort auf diese Frage die einzige Chance zum Überleben der Menschheit überhaupt. Alles oder nichts…

Ihr

Rainer Sander

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