Kolumne
DIE KOLUMNE: Hybrid-Kinder Drucken E-Mail
Donnerstag, den 21. September 2017 um 07:21 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Als die Eltern der heutigen Schüler selbst noch die Schulbank drückten, da war die Welt der Schule scheinbar perfekt in Ordnung. Und als deren Eltern in die Schule gingen sowieso. Es gab gute und schlechte Schüler, es gab Schüler mit Lust und solche mit viel Unlust. Der liebe Gott hat nicht alle Menschen mit der gleichen Intelligenz ausgestattet, was zu akzeptieren, heute oft nicht leichtfällt. Aber ein möglichst hoher und möglichst guter Bildungsabschluss ist das A und O, basta! Wichtiger als Zufriedenheit, Glück und ein stressfreies Leben. Lieber Stress, Unglück und Verzweiflung, dafür aber gute Noten im Abitur und irgendwann dann ein abgebrochenes Studium?

Dabei kenne ich eine Menge Menschen, die wirken nicht besonders schlau, sind aber helle und haben trotzdem ein pralles Bankkonto, während ich ebenfalls viele Menschen kenne, die so intelligent sind, dass sie sich damit so sehr im Wege stehen, dass der eine oder andere schon gelegentlich psychiatrische Unterstützung benötigt. Beides gehört zum Leben und darf auch so sein. Intelligenz hat also weder etwas mit dem Bankkonto, noch mit den realen Chancen auf dieser Welt zu tun. Wer intelligent ist und nicht weiß, was er damit anfangen soll, wird weniger Geld verdienen und weniger Anerkennung erfahren, als jemand, der nicht alle Zusammenhänge versteht, aber diejenigen, die er kennt, gewinnbringend umzusetzen versteht. Das kann sogar viel einfacher sein und mehr Spaß machen!

Heute gibt es in den Schulen - mit dramatisch steigender Tendenz - gefühlt 20 Prozent Kinder mit Lese-und Rechtschreibschwäche, 20 Prozent mit Hochbegabung und 20 Prozent mit ADHS-Syndrom. Die restlichen 40 Prozent sind noch normal, aber scheinbar bereits in der Minderheit. Wenn die Zuwachsraten im gleichen Tempo weitersteigen, dann bekommen wir bald ein Drittel Superschlaue, ein Drittel mit zertifizierter Lernschwäche und ein Drittel Zappelphilippe. Dann wird die Einstufung auch viel einfacher. Für die einen gibt es Pillen, für andere ein Zertifikat, damit die Noten anders berechnet werden der Rest kann sich sowieso entspannt zurücklehnen.

Ein Haken gibt es: auch dann wird es unterschiedliche Noten geben müssen, auch dann können nicht alle studieren und nicht alle später eine Ausbildung mit vermindertem schulischen Anspruch beginnen können.

Die Hochbegabten mit schlechten Noten können immer noch erklären, dass ihnen zu langweilig ist, die Hyperaktiven sind müde wegen der Medikamente und die Lernschwachen haben wenig Motivation. Wir schaffen es spielend, unser Schulsystem mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Wir sorgen für Stress mit überfrachteten Lehrplänen und wenn der Stress zu hoch wird, dann schafft Die Realität eben andere Lösungen…

Vielleicht haben wir bald Hybrid-Kinder? Also zum Beispiel ADHS- und hyperaktiv beflügelte Dyskalkulie-Schüler oder „Hochbegabte Legastheniker“? So eine Mischung aus allem, was wir früher noch als ganz normale Kinder bezeichnet hätten, was aber auf diese Weise besser in die modernen Krankheitsbilder passt, die wir brauchen um neue Erklärungen zu finden?

Ihr

Rainer Sander

Banner

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 4 von 242
Valid XHTML & CSS | Template Design ah-68 | Copyright © 2009 by NH24