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The Musical Box in der Jahrhunderthalle
Frankfurt. Eine Coverband für mehr als 50 Euro? Tausend Zuschauer für Cover-Rock? Davon träumen in Nordhessen nicht nur die Steven Stealer Band und die unzähligen Deep Purple oder AC/DC Cover-Bands. Es gibt aber einige wenige Legenden der Rockmusik - an die sich kaum jemand herantraut – und deren Musik für außergewöhnliche Darstellungen gut ist. Außerdem gibt es ein paar richtig gute Bands, die so originalgetreu covern, dass sie manchmal besser als die Vorbilder klingen - weil die Technik heute fortgeschritten ist - und sie deshalb fast die gleichen Eintrittspreise wie „Originale“ verlangen können. Zu Recht!
„The Musical Box“ gehören zu diesen Bands und wer den alten Titel gleichen Namens aus den frühen 70ern kennt, weiß sofort, dass diese Formation etwas mit Genesis zu tun hat. Ganz gleich, ob jemand die alten Genesis mit Peter Gabriel jemals gehört hat oder nicht, die Gruppe füllt die großen Hallen und liefert eine Show ab, die manchmal besser ist, als ihre Vorbilder es damals drauf hatten.
Vor 37 Jahren…
Wenn Musical Box unterwegs sind, dann ist das Programm wenigstens 37 Jahre alt. So lange her ist es nämlich, dass Peter Gabriel zum letzten Mal mit Genesis Live auf Tour gewesen ist. Aber für echte Peter Gabriel Fans war das die erfolgreiche Phase der Band, nicht die des kommerziellen Durchbruchs mit Phil Collins. Und weil das Original nicht mehr zu sehen ist, pilgern die Fans zu tausenden zu The Musical Box. So auch am Wochenende nach Frankfurt in die Jahrhunderthalle. Entsprechend ist aber auch das Durchschnittsalter der Fans. Erstaunlich, dass doch immer wieder jüngere Menschen von dieser Magie angezogen werden.
Rekonstruktion statt Cover
Die Musiker von The Musical Box spielen die Musik von Genesis in absoluter Perfektion nach. Aber das alleine macht ihren Erfolg nicht aus. Bühnenbild, Equipment, Peter Gabriels Kostüme und sogar die Choreografie ganzer Genesis-Shows sind von den Konzerten der Vorbilder nicht zu unterscheiden. Zum Teil werden sogar Original-Requisiten benutzt, wie im Falle von The Lamb Lies Down On Broadway die Diashow von Genesis. Die Genesis-Musiker geben gelegentlich Gastauftritte, im Programmheft schreibt Phil Collins das Vorwort und so scheinen The Musical Box Teil der großen Genesis-Familie geworden zu sein.
The Lamb Lies Down On Broadway war nicht nur der letzte große Erfolg der Gabriel-Ära – der auch eine gewisse Genialität in sich birgt – sondern dieser Wendepunkt der Band-Geschichte ist auch für The Musical Box der größte Erfolg. Nachdem relativen Flop mit „Trick Of The Tail“ – dem ersten Album der Collins-Ära – ist die Band bereits zum zweiten Mal mit dieser Show auf Tour.
Auch das Gefühl getroffen
Das Publikum in der Jahrhunderthalle lauschte teils andächtig, teils in Erinnerungen schwelgend aber immer wieder brauste auch Szenenapplaus auf, wenn die Band das Gefühl besonders gut getroffen und vielleicht sehr viele Erinnerungen wachgerüttelt hat. Vor allem der Frankokanadier Denis Gagné in der Rolle von Peter Gabriel sorgt mit seiner authentischen aber auch emotionalen Darstellung, gepaart mit der Fähigkeit selbst Stimmlagen und Stimmfärbungen von Gabriel fast exakt zu treffen, immer wieder für Gänsehaut-Momente. Davon gab es in Frankfurt reichlich und auch die vielen nordhessischen Fans, die – wie in alten Zeiten – teilweise mit Kleinbussen organisiert nach Frankfurt gefahren sind werden vermutlich noch lange von den zurückgeholten Erinnerungen zehren. (Rainer Sander/nh24) |
Kommentare
Ohne Probleme konnte man Peter raushören, auch wenn die Stimme des Sängers niemals die Autorität und Vielschichtigkeit des Originals erreichte. Von den Instrumenten her war es bis auf die Keyboards perfekt (die klangen irgendwie ungewohnt synthetisch).
Die Akustik war für mein Empfinden das bisher schlechteste, was ich je in einer Halle hören musste: Nicht die Bässe oder die Lautstärke waren das Problem, sondern die total überzogenen Höhen. Die filigrane musikalische und kompositorische Tiefe dieses Werks verlangt eigentlich nach einer perfekten Akustik.
Zudem: Ich habe (aufgrund meines Alters) niemals Genesis live sehen können oder irgendeine Show auf DVD gesehen. Die Bilder, die ich beim Hören des Albums (The Lamb… gehört nach wie vor zu meinen meist gespielten Genesis-Alben) im Kopf hatte, waren so völlig andere, als die der Show. Ganz allein mein persönliches Ding, aber irgendwie ist damit das Album entzaubert…
Dass es schon von der Sache her an ein Sakrileg grenzt, die alten Meister 1zu1 kopieren zu wollen ist klar. Die Frage aber, die ich mir stelle, ist, darf man ein solches Werk aus seinem historischen, zeitlichen Kontext in die Gegenwart zerren? Passt das noch? Wir haben 2012, nicht 1975.
Ob ich mir die Show noch mal ansehen würde? Ich bin nicht sicher. Ich glaube ich würde stattdessen lieber das Album noch mal raus kramen und mein eigens Kopfkino ansehen…
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