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«Ich jage, weil ich Fleisch esse» Drucken E-Mail
Samstag, den 13. Oktober 2012 um 08:10 Uhr

Jägerin Hiltrud Rübner steht in einem Wald bei Bad Vilbel mit einem Jagdhorn an einem Eichenstamm, auf dem ihre Dackel-Hündin sitzt. Vor allem unter Frauen verzeichnen die Landesjagdverbände in Hessen steigende Mitgliederzahlen.©Foto: Thomas Lohnes/dapdFrankfurt. Jägerin Hiltrud Rübner isst wenig Fleisch. "Ich esse nur das, was ich jage", sagt die Mitte 50 Jahre alte Frau. Aus dem Supermarkt lande bei ihr nichts im Kochtopf. Vor etwa zehn Jahren legte die praktizierende Psychologin ihre Jägerprüfung ab, nachdem sie Kurse in einem Jagdclub und in einer Jagdschule besucht hatte. Heute geht sie auf Einladung von Revierpächtern auf die Pirsch - teilweise allein, teilweise mit ihrem Mann oder auf Gesellschaftsjagden.

Rübner ist eine von derzeit 23.500 Jägern in ganz Hessen, von denen etwa zehn Prozent Frauen sind. Die Zahl hat zugenommen, im vergangenen Jahr hatte der Landesjagdverband nur 22.300 Jöger verzeichnet, wie Pressesprecher Klaus Röther sagt. Auch über weiteren Nachwuchs könne man sich nicht beklagen. Einer Studie des Landesjagdverbandes von 2011 zufolge kommen 85 Prozent der so genannten Jungjäger über die Liebe zur Natur zum Jagen, so auch Hiltrud Rübner.

Als sie bereits Mitte Vierzig war und im Wald "aber nicht einmal die Namen der Bäume kannte", schloss sie sich ein Jahr lang einem alten Förster an. Sie lernte "den Wald mit den Augen des Försters zu sehen", habe eine Ahnung des sensiblen Ökosystems gewonnen und ihr Wissen bei Vorträgen in einem Jagdclub in Frankfurt vertieft. Nach der Jägerprüfung löste sie auch gleich den ersten Jagdschein.

Manchmal, wenn sie im Wald unterwegs sei, fragten sie einige Leute, wie sie töten könne", sagt Rübner. Meist stelle sie dann die Gegenfrage: "Essen Sie kein Fleisch?" Die Menschen seien weit weg vom Töten der Tiere, äßen aber Fleisch von Mastschweinen. "Jagen hat viel mit Respekt zu tun, mit Demut vor der Kreatur", sagt die Jägerin.

Der Mensch hat eine natürliche Tötungshemmung

Denn "man schießt nicht einfach so ein Tier tot", sagt die Psychologin leise und eindringlich. Der gesunde Mensch habe eine natürliche Tötungsghemmung. "Wir können diese innere Hemmung nur überwinden, wenn wir einen vernünftigen Grund haben, wenn die Destruktivität durch ein Gesetz höherer Ordnung legitimiert ist", erklärt die Psychologin. Das koste Kraft und sei wie Arbeit, bei der man Erregung oder Nervosität spüre, "aber ohne Vergnügen", sagt Rübner aus eigener Erfahrung. "Töten macht keinen Spaß, aber ich tue es, weil ich Fleisch esse", resümiert sie.

Nur wenn die Überwindung der Hemmung entgleite, werde das Töten mit Lust verwechselt. Auch das gebe es, aber es sei keine natürliche Haltung, erklärt die Psychologin.

Demut vor dem erlegten Tier

Beim Jagen spürte Rübner nach eigenen Angaben vielmehr ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Natur. Das zeige sich etwa im jagdlichen Brauchtum, wenn ein Tier geschossen wurde. "Wenn ich ein Reh erlegt habe, trete ich an das tote Tier heran und nehme den Hut ab", berichtet Rübner. Danach blase sie das Signal "Reh tot" mit dem Horn. In der Nähe breche sie dann zwei Zweiglein von einem Baum ab, wovon sie eines in den Äser, also das Maul, des erlegten Stückes platziere. Einen weiteren kleinen Zweig benetze sie mit Blut und stecke ihn sich an den Hut. "Das ist wie eine rituelle Handlung, als erweise man dem Tier die Ehre, als würde man es um Verzeihung bitten", sagt die Jägerin. Solche Momente hätten etwas Magisches, gar Archaisches.

Auf dem Weg durch den Wald, in der Stille und mit dem Jagdhund geht Rübner, wie sie sagt, immer mit entladenem Gewehr. Überhaupt habe die Jagd sehr viel mehr Facetten als das Erlegen der Beute: etwa die Ausbildung ihres Hundes, Färten lesen oder Bäume vor dem Verbiss der Wildtiere schützen, das heißt vor dem Abknabbern zarter Äste oder dem Abschaben der Rinde.

Ein eigenes Revier zum Jagen hat Rübner allerdings nicht. Das koste zu viel Zeit und Verantwortung, sagt sie. Mit einer Jagdpacht verpflichte man sich, die jährlich bestimmten Abschlusspläne der Jagdbehörde in seinem Revier zu erfüllen. "Das ist sehr viel Verantwortung", sagt Rübner. Etwaige Schäden durch Wild müssten zudem vom Pächter bezahlt werden. Und so jagt Rübner lieber auf Einladung von Waldpächtern oder -besitzern, wie etwa im nächsten Urlaub im Oktober. Dann geht sie zusammen mit ihrem Mann in Schleswig-Holstein auf die Pirsch.
(dapd-hes/Marlene Petermann)

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