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Eine ausgestorbene Schildkröte weniger Drucken E-Mail
Donnerstag, den 04. April 2013 um 06:44 Uhr

Die westafrikanische Klappbrustschildkröte Pelusios castaneus bekam durch einen wissenschaftlichen Fehler einen »ausgestorbenen Doppelgänger« von den Seychellen. ©Foto: Dr. Mark-Oliver Rödel|Senckenberg|pmSchildkrötenart auf den Seychellen hat niemals existiert
Frankfurt/Dresden. Die bisher als ausgestorben geltende Schildkröte Pelusios seychellensis gibt es nicht. Dies haben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden anhand von Erbgutanalysen herausgefunden. Die zugehörige Studie wurde heute im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.

Schildkröten sind die am stärksten bedrohten Wirbeltiere. Unter den rund 320 Arten hat es besonders die Insel-Schildkröten hart getroffen: Eine ganze Reihe von Arten wurde bereits durch den Menschen ausgerottet. Eine davon – so dachte man zumindest – ist die Seychellen-Klappbrustschildkröte Pelusios seychellensis. Gerade einmal drei Exemplare dieser Art wurden Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt; sie werden bis heute im Naturhistorischen Museum Wien und dem Zoologischen Museum Hamburg aufbewahrt.

Der durch die International Union for Conservation of Nature (IUCN) als „ausgestorben“ klassifizierte Panzerträger wurde nach den Funden im 19. Jahrhundert trotz intensiver Suche nie mehr gefunden. „Folglich hat man angenommen, dass die Schildkröten durch den Menschen ausgerottet wurden“, erklärt Prof. Dr. Uwe Fritz, Leiter des Museums für Tierkunde an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Das dies so nicht stimmt stellt der Dresdner Biologe klar: „Wir haben die DNA des originalen Typusexemplars aus dem Wiener Museum untersucht und herausgefunden, dass es sich bei den Schildkröten um keine eigene Art handelt.“

Die Erbgutanalysen der Dresdner Wissenschaftler haben gezeigt, dass es sich bei der angeblichen Seychellen-Art in Wirklichkeit um die im westafrikanischen Raum weitverbreitete Schildkröten-Art Pelusios castaneus handelt.  „Die Art Pelusios seychellensis hat es also niemals gegeben“, ergänzt Fritz. „Tatsächlich hatten sich Forscher immer wieder gewundert, dass die angeblichen Seychellen-Schildkröten den westafrikanischen Schildkröten täuschend ähnlich sehen. Doch aufgrund der großen geographischen Distanz dachte man, dass es eine andere Art sein muss, weswegen die vermeintlichen Seychellen-Schildkröten 1906 auch als neue Art beschrieben wurden.“

Eine weitere als einheimisch klassifizierte Art verschwindet damit von der Artenliste der Seychellen. Bereits im letzten Jahr hatten Fritz und seine Kollegen bewiesen, dass die Art Pelusios subniger nicht endemisch auf den Seychellen vorkommt, sondern vom Menschen eingeschleppt wurde.

„Auf den Seychellen gibt es demnach höchstens eine Süßwasser-Schildkröte, die einheimisch sein könnte, ebenfalls eine Klappbrustschildkröte. Und selbst bei dieser Art sind wir uns noch unsicher, ob sie tatsächlich endemisch ist“, sagt Fritz. Bisher konnten die Biologen aus Dresden diese Möglichkeit aufgrund des unvollständigen Probenmaterials aber noch nicht untersuchen.

„Sicher ist aber schon jetzt, dass  die Schutzkonzepte für Schildkröten auf den Seychellen überarbeitet werden müssen, um wirklich endemische Tierarten zu schützen und um das für den Artenschutz knappe Geld sinnvoll einzusetzen“, fasst Fritz zusammen.
(pm)

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