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Grüttner will Organspende erleichtern Drucken E-Mail
Montag, den 30. Mai 2011 um 12:04 Uhr
Hessen für erweiterte Widerspruchslösung - Roland Kaiser und Steinmeier werben für Organspenden

Grüttner für erweiterte Widerspruchslösung bei Organspenden (©nh24)Wiesbaden. Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) will mit einer neuen Gesetzesinitiative Organspenden erleichtern. «Wir müssen von der derzeitigen erweiterten Zuspruchslösung zu einer erweiterten Widerspruchslösung kommen», sagte Grüttner am Montag in Wiesbaden. Hessen werde zusammen mit Bayern auf der nächsten Gesundheitsministerkonferenz Ende Juni einen entsprechenden Antrag einbringen.

«Wir müssen die Gelegenheit nutzen, die Diskussion darüber wieder anzustoßen», sagte der Minister mit Blick auf den Tag der Organspende am kommenden Samstag. Die zentrale Veranstaltung dazu findet in diesem Jahr in Frankfurt statt.

In Deutschland gilt derzeit die erweiterte Zustimmungsregelung, bei der der Verstorbene zu Lebzeiten einer Organspenden zugestimmt haben muss. Liegt die Zustimmung nicht vor, müssen die Angehörigen nach dem Tod über eine Organentnahme entscheiden. Gerade in der Situation des Todes auch noch so eine Entscheidung treffen zu müssen, sei eigentlich nicht zuzumuten, sagte Grüttner.

Bei der erweiterten Widerspruchslösung hingegen gilt jeder Mensch automatisch als Organspender - es sei denn, er hat dem selbst noch zu Lebzeiten aktiv widersprochen, oder die Angehörigen tun es. Damit müsse sich «jeder Mensch zu Lebzeiten entscheiden, ob er Organspender sein will oder nicht», betonte der Minister.
Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Belgien, Österreich, Norwegen, Schweden, Italien und Spanien zeigten, dass dies eine erheblich höhere Zahl an Organspendern bringe.

Rund 12.000 warten auf ein Organ

Derzeit warten nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 12.000 schwer erkrankte Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, allein 8.000 auf eine Niere. Bei 1.296 Menschen wurde 2010 nach ihrem Tod ein Organ entnommen, das waren 79 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner stieg damit statistisch von 14,9 in 2009 auf 15,9 in 2010. Die Zahl der Transplantationen lag im vergangenen Jahr bei 4.326 gegenüber 4.051 im Jahr 2009. In den ersten drei Monate diesen Jahres ging die Zahl der Organspenden allerdings wieder deutlich zurück.

«Alle acht Stunden stirbt ein Patient auf der Warteliste», machte der Kaufmännische Vorstand der Deutschen Stiftung Organspende (DSO), Thomas Beck, deutlich. Eine Organspende sei noch mit vielen Ängsten besetzt, auch sei die Aufklärungsarbeit noch nicht ausreichend, räumte Beck ein. Jeder Mediziner aber werde immer versuchen, zunächst den Patienten zu retten, denn der Verlust eines Patienten sei «immer eine Niederlage für den Mediziner.» Auch sei das Alter grundsätzlich kein Problem: «Die ältesten Nieren kamen von über 92-jährigen Spendern», sagte Beck. Diese Nieren hätten zwei ältere Patienten von der Altersdialyse befreit.

Für eine Organspende warb denn auch am Montag in Wiesbaden der Schlagerstar Roland Kaiser: Vor einem Jahr und drei Monaten bekam der heute 59-Jährige eine neue Lunge. Zehn Jahre lang hatte er zuvor unter einer Lungenkrankheit gelitten und konnte vor Luftmangel kaum noch singen. «Die Menschen aufzufordern, den Mut zu haben, Ja zu sagen zur Organspende, heißt für mich Ja zu sagen zum Leben derer, die auf ein Organ warten», sagte Kaiser.

Fußballerin und Musiker werben für Organspende

Auch die Fußballerin Turid Knaak von der U-20- Nationalmannschaft wirbt für die Organspende: «Im Sport ist es selbstverständlich, dass jeder für jeden kämpft und dass man ein Team ist», sagte sie. «Jeder von uns würde eine Spende entgegennehmen, dann sollte man auch beim Spenden Solidarität und Teamgeist zeigen», betonte sie.

In Deutschland sind zwar Umfragen zufolge zwei Drittel der Menschen bereit, ein Organ zu spenden. Nur 25 Prozent dokumentieren dies aber durch einen Organspendeausweis. «Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Es tut nicht weh», ergänzte Grüttner. Er selbst habe bereits seit 16 oder 17 Jahren einen Organspendeausweis.

Zum Tag der Organspende am Samstag in Frankfurt kommt denn auch mit dem SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier ein prominenter Organspender. Dazu gibt es einen «Marktplatz des Lebens» sowie Musik unter anderem von Fools Garden und Barry McGuire. (dapd-hes/Gisela Kirschstein)

Organspende in sechs Daten

- Derzeit warten deutschlandweit rund 12.000 schwer erkrankte Menschen auf eine Organspende, darunter allein 8.000 auf eine Niere.

- In Hessen wurden 2010 mit statistisch 15,7 Spendern pro eine Million Einwohner so viele Organspender gezählt wie nie. Doch im ersten Quartal 2011 gab es wieder einen deutlichen Einbruch.

- Nach Umfragen sind etwa drei Viertel der Deutschen grundsätzlich zur Organspende bereit. Aber nur etwa 25 Prozent haben einen Organspenderausweis.

- Der Tag der Organspende, der seit 29 Jahren traditionell am ersten Juni-Samstag stattfindet, soll Bewusstsein für die Notwendigkeit von Organspenden schaffen.

- In diesem Jahr findet die zentrale Veranstaltung am 4. Juni in Frankfurt am Main statt. Er beginnt mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Paulskirche. Dabei spricht unter anderen auch SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der selbst seiner Frau eine Niere gespendet hat.

- Bei einem «Marktplatz fürs Leben» an der Hauptwache wird die Bevölkerung informiert. Dabei treten auch Musiker und Musikgruppen wie Fools Garden und Barry McGuire auf.
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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 30. Mai 2011 um 21:20 Uhr
 

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