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Sonntag, den 06. November 2011 um 10:56 Uhr
Die Hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) am Samstag (5.11.11) in Frielendorf im nh24-Interview mit Rainer Sander ©Alexander WittkeMinisterin Lucia Puttrich in Frielendorf – CDU Schwalm-Eder mit energiepolitischem Konzept

Frielendorf. Nach Fukushima stand der Atomausstieg in Deutschland sehr schnell fest. Auf den ersten Blick fiel es anderen Parteien als der CDU etwas leichter, dies auf eine breite Basis zu stützen. Nun beginnen die Gliederungen der Partei, neue Die Energiewende kommt an der Parteibasis anenergiepolitische Konzepte auch für Regionen wie Landkreise und Gemeinden zu entwickeln.

Die CDU im Schwalm-Eder-Kreis hat am Samstag einstimmig ein solches Grundsatzpapier verabschiedet. Dank des einzigen Antrages von Dietrich Hahn (Frielendorf) stehen die Energieeffizienz und die Energieeinsparung in diesem Konzept an erster Stelle. Strom, der nicht verbraucht wird, muss auch nicht erzeugt werden. Das Ziel aber ist, den Landkreis als Modellregion für den Einsatz erneuerbarer Energien zu entwickeln, die entsprechende Infrastruktur als Voraussetzung zu schaffen und vor allem die Biomasse, aber auch Solar- und Windenergie, mit Rücksicht auf Mensch und Natur, zu nutzen.

Für den Parteitag hat die CDU an Schwalm und Eder einiges für ihre Mitglieder an Kompetenz aufgefahren. Ranghöchster Gast war Hessens Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Lucia Puttrich (CDU), aber mit deren Staatssekretär und Moderator der Diskussion, Mark Weinmeister, sowie Thomas Weber (Vorstand der E.ON Mitte AG), Thomas Ebert (Vorstand Städtische Werke AG Kassel), Peter Stephan (Umwelt- und energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion), Dirk Schnurr (Energiebeauftragter des Schwalm Eder Kreises) und Dr. Harald Bräutigam (Geschäftsführer des Maschinenring Schwalm Eder), waren die wichtigsten Fachleute seitens Politik der Stromerzeuger in der Diskussion dabei.

Puttrich nannte die Effizienz und die Kosten als ein wesentliches Kriterium zur Gestaltung und Umsetzung der Energiewende. Dass es der CDU etwas schwerer gefallen ist, sich an eine ganz andere Energiepolitik zu gewöhnen, erkennt die Ministerin auch, allerdings möchte sie die Diskussion nicht rückwärtsgewandt führen. „Die Welt wird sich verändern“, so Frau Puttrich, aber sie erkennt, dass auch die großen Energieversorger beginnen umzustellen. Es ergebe keinen Sinn, Gut und Böse zu unterscheiden, die Energiewende könne nur gemeinsam entwickelt werden.

Deutschland entscheidet nicht über Stromproduktion in Nordafrika oder Skandinavien

Gerne geht die Ministerin auch auf die Akzeptanz ein. Erneuerbare Energien finden alle gut, allerdings nicht unbedingt vor Ort, wenn Menschen selbst betroffen sind. Natürlich könne man Stromspeicher in Norwegen entwickeln, Sonnenenergie in der Sahara und Windenergie in großen Offshore-Anlagen produzieren. Aber einerseits müsse Strom dann über lange Strecken transportiert werden, was zum gleichen Preis nicht möglich ist, und auch gegen Stromtrassen bilden sich Bürgerinitiativen. Solche Initiativen gebe es aber ganz sicher auch in Norwegen und in den Sahara-Staaten erscheint die politische Situation zurzeit eher unsicher. Deutschland könne nicht darüber entscheiden, was in anderen Ländern passiert.

Aber Frau Puttrich sieht Deutschland dennoch in einer Führungsrolle, denn hier ist das Know-How für die Technologie vorhanden und wer, wenn nicht wir, könne die Wende technisch stemmen? Aber Hessens oberste Umweltschützerin weiß auch um die Schwierigkeit und die Länge des Weges. Ein solcher Weg bedeutet, so sagte sie den Delegierten, dass dieser meist mit Begeisterung begonnen wird aber am Ende braucht man einen langen Atem, wobei man sich immer wünscht, mit der Entscheidung am besten schon alles erledigt zu haben. Keinesfalls will die Landesregierung diesen Weg halbherzig beschreiten und auch eine Deindustrialisierung kann sich Hessen nicht leisten.

Geld bleibt in der Region

Dass vor allem, die Wertschöpfung, also das Geld, das die Verbraucher bezahlen, in der Region bleibt, liegt Erzeugern, Politikern und Delegierten gleichermaßen am Herzen. Wandert bisher viel Geld für fossile Energiequellen in Drittländer wie Ölstaaten oder aktuell zu anderen Stromproduzenten in Frankreich oder Tschechien, so eröffnet die Nutzung vor Ort durch Biogasanlagen, Windparks und Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, Unternehmen und Privathäusern die Gelegenheit Investitionen in der Region anzugehen, an denen Menschen hier Geld verdienen, Arbeitsplätze und Infrastruktur schaffen.

Thomas Weber musste einräumen, dass die E.ON zurzeit tatsächlich Strom aus Drittländern importiert, allerdings vor allem deshalb, weil es billiger ist ihn dort einzukaufen, als in Deutschland zu produzieren. Im Markt habe sich fast alles geändert, er sei durch hohe Fluktuation gekennzeichnet, erklärte das Vorstandsmitglied des größten Netzbetreibers in der Region. Deutschland sei im übrigen Europameister in der Versorgungssicherheit – das Licht brennt immer – und das soll auch so bleiben, wenn sich die Energiequellen ändern.

Kleine Erzeuger haben die Nase vorn

Sein Kollege Thomas Ebert setzt dabei auf Biogas - nach der Anlage in Homberg, entstehen zwei weitere in dieser Größenordnung. Er freut sich, dass die vor zehn Jahren im Zuge der Liberalisierung im Strommarkt abgegebenen Prognosen, dass die Stadtwerke sterben würden, durch die Energiewende überholt wurde. Jetzt sind es die kleinen Erzeuger, welche die Nase vorn haben werden und er wünscht sich ganz viele von denen. Da Hessen das einzige Land ist, das Biogasanlagen noch fördert, könnte sein Konzept aufgehen. Auch für Mark Weinmeister, der aus Guxhagen stammt, ist es wichtig, dass die Landwirte ein neues Standbein ausbauen können. Dr. Harald Bräutigam sieht als Vertreter der Landwirte seine Zunft zukünftig auch als "Energiewirt". Dennoch wird die Hauptproduktion bei den Lebensmitteln verbleiben.

Ganz entspannt blickt Dirk Schnurr als Energiebeauftragter des Landkreises in die Zukunft. Dass ein Einfamilienhaus, das zurzeit 3000 Euro im Jahr an Energiekosten aufwenden muss in ein paar Jahren etwa 8000 Euro bezahlen muss ohne dass es dadurch wärmer wird, sei aufgrund der aktuellen Preissteigerungen vorauszusehen und das würde die meisten Haushalte dazu zwingen, sich Investitionen zu nähern, die im Moment vielleicht noch unwirtschaftlich erscheinen. Aber auch er weiß, dass die Einsparung das wichtigste ist und in den öffentlichen Gebäuden des Kreises sei dies bereits zu 34 Prozent gelungen.

Konstruktive Diskussion vor der Abstimmung

In der Diskussion vor der eindeutigen Abstimmung wollte Fritzlars Bürgermeisterkandidat Harmut Spogat mit Blick auf Firmen wie die Zuckerfabrik in Wabern oder Hengstenberg in seiner Heimatstadt Fritzlar wissen, ob die Nutzung von Biomasse Einfluss auf die Nahrungskette haben werde. Die Fachleute versicherten ihm, dass die Landwirte von den Biogasanlagen nie zu 100 % leben könnten, zum Beispiel dürfen nach aktueller Rechtslage nur 50% Mais oder Ähnliches genutzt werden, aber auch Gülle und andere land- und forstwirtschaftliche Abfälle müssten zur anderen Hälfte verarbeitet werden. Dr. Näser aus Schwalmstadt – er wird dort als Bürgermeisterkandidat gehandelt – wollte wissen, wie alles finanziert wird und ob auch die E.ON die Brennelementesteuer zurückfordern wird. Zur Brennelementesteuer gab es keine Antwort, weil das in der Konzernzentrale in München entschieden wird, Mark Weinmeister versicherte, dass die Finanzierung nicht nur über Steuererleichterungen funktionieren kann, da viele Betroffene – wie zum Beispiel Rentner als Eigentümer eines Eigenheimes – wenig oder gar keine Steuern zahlen und von einer Entlastung nichts spüren würden. (rs)

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Kommentare

 
+5 # Horst Zickler 2011-11-06 14:41
All die Experten haben es vermieden, die Kraft-Wärme-Kop plung im Privathaushalt zu erwähnen.Ist doch beim Bundeswirtschaf tsminister ein Schreiben von RWE ungeändert als Position des BMWI übernommen worden.Diese stellt mit allerlei Rechentricks die BHKW als unwirtschaftlic h dar.RWE und die anderen sind garnicht daran interessiert,ei ne dezentrale Technik zu fördern. Würde diese doch in der Fläche eingesetzt, etliche Großkraftwerke ersetzen und den Erzeugungswirku ngsgrad von derzeit 35% auf 90% hochschnellen lassen.Da gehen Pfründe verloren. Deshalb hat man Politik und Presse derart fehlinformiert und sogar mit Schaltung von Großanzeigen gelockt ( Beispiel FAZ 2010); nur um diese BHKW-Technik weitestmöglich aus der Diskussion herauszuhalten. Wo kämen wir denn hin, wenn veränderte Strukturen den Strom billiger und effizienter machen würden.Es gibt noch viel Überzeugungsarb eit zu leisten.Ich kann nur jedem empfehlen, sich im Internet zu informieren.Bei spielsweise beim BHKW-Forum.de um der Desinformation von Politik und Stromwirtschaft entgegenzuwirke n.
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+2 # energiesparer 2011-11-06 19:42
Veranstaltung mit Energiedinosaur iern und einer Basis die immer noch nicht wirklich kapiert hat wer den Weg in die Zukunft zeigen kann. Mann hätte jemanden vom IWES in Kassel (ehemals ISET) einladen können. Diese Spezialisten hätten mal wirklich basiert aufgezeigt wohin es gehen muss. Nur, dafür müssen die großen Konzerne sich von ihren Renditen verabschieden. Das kann ja dann kein CDU Thema sein.
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