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Bürgerblüten in Kassel wenig beliebt Drucken E-Mail
Samstag, den 24. Dezember 2011 um 11:17 Uhr
Thomas Staude vom Verein Bürgerblüte posiert am Montag (19.12.11) in einem Geschäft in Kassel mit sogenannten Bürgerblueten. ©Foto: Thomas Lohnes/ dapdKassel. Wer im Naturkostladen "Quer Beet" im Kasseler Stadtteil Nordshausen einkauft, der muss nicht unbedingt Euro auf die Theke legen. Inhaber Martin Sulzbach akzeptiert auch "Bürgerblüten". So heißt die Regionalwährung, die vor sechs Jahren von einem gleichnamigen Verein in Kassel eingeführt wurde. "Wir wollen, dass möglichst viel Geld hier in der Region bleibt", sagt der Geschäftsführer der Bürgerblüte, Thomas Staude.

Die bunten Scheine werden in rund 70 registrierten Läden angenommen. Sie verkaufen regionale Produkte oder Dienstleistungen. Große Anbieter oder überregionale Ketten sollen so gezielt benachteiligt werden. Das Interesse an der Lokalwährung ist allerdings gering. Nur rund 100 Menschen kaufen derzeit nach Schätzung des Vereins mit dem Kasseler Regionalgeld ein.

"Es machen einfach zu wenig Leute mit", sagt auch Bio-Händler Sulzbach. Das System sei vielen seiner Kunden zu kompliziert, der in "Bürgerblüten" getätigte Umsatz in seinem Naturkostladen sei unstetig. "Rekord waren mal 2.000 Bürgerblüten in einem Monat", erzählt er.

Der Händler muss allerdings einen Teil der regionalen Währung wieder in Euro umwandeln, weil nur einer seiner Zulieferer die Noten als Bezahlung akzeptiert. Dann fallen jedes Mal fünf Prozent Gebühren an. Aus diesem Geld sollen die Kosten des Tauschsystems gedeckt und verschiedene Vereine gefördert werden. "Das sind für mich Werbekosten", sagt der Kaufmann, der sich durch die Annahme der "Bürgerblüten" eine Kundenbindung erhofft.

Ökonom hält Regionalwährung für unnötig

Offiziell handelt es sich bei den ausgegebenen Noten um Gutscheine. Die Anmutung aber erinnert stark an herkömmliches Geld. So werden die Wertmarken auf Spezialpapier mit UV-Licht-Sicherung gedruckt, enthalten ein Hologramm und eine Perforation.

Kritiker der "Bürgerblüte" halten diesen Aufwand für unnötig. "Wenn ich lieber beim kleinen Bäcker um die Ecke einkaufe, als bei einer Kette, dann kann ich das auch mit dem Euro tun", sagt Professor Jochen Michaelis von der Universität Kassel. Der Ökonom hat zwar selbst eine "Bürgerblüte" im Portemonnaie; "aber nur, weil ich sie im Rahmen meiner Vorlesung ab und zu meinen Studierenden zeige." Dann sorgt der bunte Schein stets für überraschte Gesichter. "Die meisten haben noch nie etwas davon gehört."

Die Verbreitung von Regionalgeld sei bundesweit "sehr schwach", weil es keine Vorteile bringe, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Tatsächlich verlieren die "Bürgerblüten" sogar zwei Prozent ihres Wertes, wenn sie nicht innerhalb von drei Monaten eingesetzt werden.
Die Anbieter nennen das einen "Umlaufimpuls", der die Kaufbereitschaft ankurbeln soll. Für Ökonom Jochen Michaelis ist es hingegen "schlicht die Produktion von Inflation."

Die Idee eines solchen "Schwundgeldes" gehe auf den Begründer der Freiwirtschaftslehre, Silvio Gesell, zurück und sei Bestandteil vieler Regionalwährungskonzepte. Der 1930 verstorbene Finanztheoretiker Gesell ist stark umstritten. Kritiker stufen ihn als Vertreter eines völkischen Antikapitalismus ein.

Als Münzen werden Cent verwendet

Selbst von den Gewerkschaften gibt es keine warmen Worte für die "Bürgerblüte". "Das ist Unsinn und etwas für Leute, die zu viel Zeit haben", lautet das knappe Urteil des Leiters der wirtschaftspolitischen Abteilung des DGB Hessen-Thürigen, Kai Eicker-Wolf. "Eine solche Regionalwährung ändert überhaupt nichts an der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen", sagt er.

In der Not greifen derweil auch die Anhänger des "Schwundgeldes" auf den Euro zurück. Weil man sich die Herstellung von Kleingeld ersparen wollte, entschied man laut Internetseite schlicht: "Als Kleingeld fungieren Euro-Cent."
(Martin Sehmisch/dapd-hes)

buergerbluete.de
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Kommentare

 
+3 # Peter Picciani 2012-01-09 00:37
Der Herr Professor Jochen Michaelis scheint das mit der Ökonomie noch nicht so recht verstanden zu haben, sonst würde er auch den Sinn von "Schwundgeld" verstehen. Es wirk ja gerade der Inflation entgegen, da es als Negativzins eben keine Inflation erzeugt.
Vielleicht sollte der Herr Professor mal
mal ein bißchen nachdenken!!! Genauso wie die Genossen von der Gewerkschaft, die einfach nur Plattheiten von sich geben anstatt sich vorher zu informieren.
Sie können auch gut und gerne staunend
dem Zusammenbruch des EURO beiwohnen und dann vielleicht zum NACHDENKEN kommen.
Herzliche Grüße, Peter Picciani
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+1 # Delg lanoiger 2012-02-27 16:58
Ich glaube gar nicht, dass der Herr Professor nicht weiß, das gerade ein nicht hortbares, zinsfreies und der Spekulation entzogenes Geld, das künstliche Aufblasen der Geldmenge (Inflation) verhindert.

Aber wer die jetzige Geldkonstruktio n lehrt (Fachgebiet Geld, Kredit und Währung ;-) ), der wird nicht an dem Ast sägen, auf dem er sitzt.

Regionalwährung en praktizieren den Ursprungsgedank en des Geldes und gewährleisten die Funktion des umlaufsichernde n Tausch- und Zahlungsmittels .
Es gibt sehr wohl funktionierende Regionalgelder. Beispielsweise feiert der Chiemgauer seinen 10. Geburtstag und gleichzeitig neue Rekorde.
ovb-online.de/. ../...

Die Menschen müssen einfach wieder lernen, dass das heute vorhandene Geldsystem, mit seinen zyklischen Krisen (Stichwort Eurokrise, Bankenkrise etc. ), keinem Naturgesetz folgt, sondern menschengemacht ist. Es liegt an uns, diese Fehlentwicklung zu stoppen.

Grüße aus Sachsen
Delg
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