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Polizei gelingt Schlag gegen Kinderschänder Drucken E-Mail
Dienstag, den 26. Februar 2013 um 09:13 Uhr

Mitglieder der neuen Sondereinheit der Zentralstelle zu Bekämpfung der Internetkriminalität in einer gestellten Situation ©Foto: Torsten Silz/dapdGießen/Wiesbaden. Sie sollen sich das Vertrauen der Kinder erschlichen und sie anschließend über das Internet missbraucht haben: Gegen rund 40 mutmaßliche Kinderschänder aus ganz Deutschland ermittelt derzeit die hessische Polizei. Unter Leitung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und des hessischen Landeskriminalamts (LKA) haben Polizisten in der vergangenen Woche rund 40 Wohnungen durchsucht.

Schwerpunkt des Einsatzes im gesamten Bundesgebiet waren nach Angaben des hessischen Justizministeriums Wohnungen in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Den mutmaßlichen Tätern werden sexueller Missbrauch und der Besitz kinderpornografischer Schriften zur Last gelegt.

Die Männer im Alter zwischen 20 und 72 Jahren seien im Zuge der Durchsuchungen vorläufig festgenommen worden, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Hans Liedel, am Dienstag auf dapd-Anfrage. Da keine Verdunklungsgefahr bestanden habe, seien die Tatverdächtigen aber nicht in Untersuchungshaft gekommen. Weitere Details zu den Verdächtigen wollten die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben.

Kinderschänder erschleichen sich das Vertrauen

Dem Justizministerium zufolge haben die Männer in den ersten Septemberwochen des vergangenen Jahres über ein soziales Netzwerk Kontakt zu Kindern gesucht. Beim Chatten mit den Minderjährigen sollen sich die Tatverdächtigen als gleichaltrig ausgegeben und sich damit das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen erschlichen haben. Anschließend sollen die Männer vor einer Webcam selbst sexuelle Handlungen vorgenommen oder die Minderjährigen zu solchen aufgefordert haben. Darüber hinaus bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten in weiteren Fällen Kinder unter Nutzung sozialer Netzwerke im Internet missbrauchten.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelt es sich bei der Vorgehensweise um das Phänomen des sogenannten "Cybergroomings", welches die sexuelle Belästigung Minderjähriger über das Internet, meist durch fremde, ältere Männer beschreibt. Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) und Innenminister Boris Rhein (CDU) bezeichneten das Internet als "größten Tatort der Welt", den Experten von Polizei und Staatsanwaltschaft sorgfältig beobachteten. "Der jetzige Schlag gegen Kinderschänder zeigt: Es gibt keine rechtsfreien Räume", betonten die beiden Politiker.

Vielzahl von Datenträgern sichergestellt

An dem bundesweiten Einsatz waren unter der Leitung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main insgesamt 130 Beamte des hessischen LKA und der anderen Polizeistationen der Länder beteiligt. Es seien eine Vielzahl von digitalen Datenträgern und weitere Beweismittel sichergestellt worden, hieß es.

Maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt waren nach Angaben des Justizministeriums eine spezielle Abteilung für Cybercrime am LKA und die hessische Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), die bei der Generalstaatsanwaltschaft angegliedert ist. Die ZIT ist landesweit zentraler Ansprechpartner für die örtlichen Staatsanwaltschaften und Polizeistellen bei Fragen zur Internetkriminalität.
(Luise Poschmann|dapd-hes)

Hintergrund: Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Hessen

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wurde vor etwa drei Jahren ins Leben gerufen. Sie ist dem Justizministerium unterstellt und an die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main angegliedert. Die Zentralstelle soll das Wissen zur Internetkriminalität von Polizei, Staatsanwaltschaft und Experten bündeln. Zentrale Einsatzfelder für die ZIT sind beispielsweise Verletzungen des Urheberrechts im Internet oder auch der Kampf gegen kinderpornografische Inhalte.

Nach Angaben des Justizministeriums Hessen ist die Behörde Vorbild für ähnliche Einheiten in Deutschland, beispielsweise in Baden-Württemberg und Thüringen, geworden. Sie soll ein Ansprechpartner für örtliche Staatsanwaltschaften und das Landeskriminalamt (LKA) sein. In komplexen Verfahren kann sie Ermittlungen der Staatsanwaltschaften übernehmen. Die ZIT ist mit drei Oberstaatsanwälten sowie einem in Vollzeit abgeordneten Staatsanwalt besetzt, der sich Spezialkenntnisse für den weiteren Dienst aneignen soll.

Die Zentralstelle agiert in einigen Fällen auch über die Landes- und Bundesgrenzen hinweg und arbeitet mit Ermittlungsbehörden in aller Welt zusammen.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 26. Februar 2013 um 13:32 Uhr
 

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