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Kommentar: E-Ladesäulen im Rotkäppchenland Drucken E-Mail
Mittwoch, den 07. August 2013 um 19:40 Uhr

©Foto: Daniel Bönnighausen | nhSchwalmstadt. Mittlerweile wurde die zwanzigste E-Ladesäule im Rotkäppchenland in Betrieb genommen. Als regelmäßiger Tester von Fahrzeugen mit alternativen Antriebsmethoden, werden Fahrzeuge von mir auf ihre Reichweite, Ladedauer und Lademethoden getestet. Auch im Hinblick darauf, ob der Alltag mit ihnen bestritten werden kann und tägliche Fahrten kein Problem darstellen.

Während des Tests mit dem Nissan Leaf fuhr ich eine der Rotkäppchen-Ladesäulen in Willingshausen an. Die Ernüchterung folgte allerdings sehr schnell, denn ich traf lediglich auf eine haushaltsübliche 230V-Steckdose für den Außenbereich, die in einer Edelstahlhülle angebracht war und von der „roten Brezel“ geziert wurde. Ohne diese markante Markierung eines grablichtähnlichen Gebildes hätte ich die E-Ladesäule womöglich nicht einfach so auffinden können.

Problematik der Ladedauer und fehlendes Carsharing-System

Nur um es einmal am Beispiel des Nissan Leaf zu verdeutlichen: Eine vollständige Aufladung benötigt etwa 10 Stunden an einer 230V-Steckdose. Über ein Schnellladesystem erreicht der Akku eine Ladung von 80% in nur 30 Minuten. Aufgrund der geringen Reichweite werden Touristen nicht mit dem Elektrofahrzeug anreisen. Also muss ein Carsharing-System her, bei dem die Touristen hier vor Ort die Möglichkeit hätten diese Säulen auch vernünftig zu nutzen.

Wann wird also dieses Carsharing-System im Rotkäppchenland eingeführt? Wie viele Fahrzeuge stehen zur Verfügung pro Ladesäule, wie soll das Konzept umgesetzt werden und wer bestimmt wie lange jemand mit einem Fahrzeug unterwegs sein kann? All diese Fragen sind bisher noch nicht öffentlich kommuniziert worden. Interessant wird es dann beim Thema Aufladung der Fahrzeuge aber erst, wenn man sich mögliche Beispiel anschaut.
Ich zitiere deshalb folgendes: „Die Akkus der Elektroautos werden geladen, während die Fahrer in den Hotels übernachten, in den Restaurants essen oder eine Besichtigung machen. Den Strom stellen die Gastgeber kostenlos zur Verfügung.“

©Foto: Daniel Bönnighausen | nhWenn ein Fahrer in einem Hotel übernachtet, kann dies sicherlich funktionieren. Aber wann verirrt sich ein Tourist denn mit einem Elektroauto hierher? Wer in einem Restaurant sitzt und sich dort zwei Stunden aufhält, wird etwa 20 km weiterkommen als vorher mit dem Fahrzeug. Reicht also geradeso um im Idealfall die nächste Ladesäule anzusteuern. Besichtigungen? Dauern in der Regel durchaus 10 Stunden. Vielleicht auch nur 5? Somit könnte man mit dem Leaf getrost weitere 40 – 50 km fahren.

Möglicher Einwand: Kostenpunkt

Der Einwand der mir bei einem Besuch bei der E.ON Mitte mitgeteilt wurde war der Kostenfaktor. So belaufen sich diese Rotkäppchen-Ladesäulen auf einen oberen dreistelligen Betrag pro Säule. Im Gegenzug wurde der Preis der Schnellladesäulen für Elektrofahrzeuge auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag genannt. Mein Einwand folgt auch hier, denn Schnellladesäulen sind bereits installierbar in einem mittleren vierstelligen Betrag.

Eine deutliche Differenz besteht hier sicherlich noch immer, aber im Hinblick auf Effektivität und zukünftiges Carsharing-System eine kleine Fehlinvestition. Als die Ladesäule von mir in Willingshausen vor gut einem halben Jahr angefahren wurde, war ich die erste Privatperson dort. Gleiches erlebte ich auch an anderen Ladesäulen. Ob sich das nun dadurch in den kommenden zwei Jahren ändern wird? Nein, wird es nicht.

Fazit:

Der Grundgedanke auch ein Ladesäulennetz bei uns im Rotkäppchenland betreiben zu wollen ist eine gute. Wir sind uns alle einige darüber, dass hier etwas passieren muss. Nicht verstehen kann ich allerdings, wie man solch eine Investition tätigen kann und eine Förderung hier zustande gekommen ist. In zwei bis drei Jahren wird man sich darüber jedoch erst bewusst sein und eventuell dann das Ladesäulennetz nach und nach auf ein Schnellladesystem ausbauen.

Verstanden werden sollte auch, dass ein Elektroauto vorerst nicht die konventionellen Antriebsmethoden verdrängen möchte, sondern lediglich als Zweitwagen Einzug finden soll. Aufklärung ist daher das A und O auf diesem Gebiet. Deshalb halte ich Veranstaltung für „Ziegenhain vom Feinsten“ zur E-Mobility auch als sehr sinnvoll an.

Daniel Bönnighausen

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Kommentare

 
+5 # Leser 2013-08-07 21:08
Publikumswirksa m und wenig durchdacht.

Zumal der Strom meist eben nicht vor Ort erzeugt wird.

Die Kosten für die Installation trägt über die Steuerersparnis des Unternehmens zum Teil auch der Steuerzahler.
Evtl. gibt es ja auch noch eine Förderung seitens Nordhessen.de oder anderer Steuergeldquell en.
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+5 # Ungläubiger Wolf 2013-08-07 21:21
Wenn man an die "großspurigen" Worte des Regionalmanagem ents denkt, in spätestens 10 Jahren an der Spitze der Mittelgebirgsto uristik zu stehen kriegt man bei dem was man hier sieht und lesen kann eher so seine Zweifel !!

Eine kleine Recherche zu Ladesäulen im Rotkäppchenland :mit dem Suchbegriff"E-L adestationen" bringt ein Ergebnis:

.../9c9773e6-da 31-ed13-4d29-c4 9a97c65c40.html
Dort findet man eine pdf zum download. Diese listet 8 Stück auf!

Zusätzlich findet man auf dieser Seite einen Link zu:
.../1

Dort sind 18 aufgeführt.

Für den Bereich Kassel sind es 48.
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+14 # Beobachter 2013-08-08 07:26
Schöner und wahrer Bericht.

Das einzige was mit den Ladesäulen erreicht wurde/ wird, ist das Lokalpolitiker Ihre Gesichter auf einem Bild sehen und dies dann in der Monopolzeitung abgedruckt wird.
Dann noch die Elektroinstalla tion gespendet und die Gemeinde spendet den Strom, schon ist man der Held, welcher sich für Elektromobilitä t einsetzt.

Kaum praxisnah und an jeglicher Anforderung für Touristen vorbei.
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-5 # Rotkäppchen 2013-08-08 08:54
Die Entwicklung im Bereich E-Mobilität geht immer weiter. Einen Überblick sowohl über E-Mobile also auch über Ladetechnik wird es sicherlich auf der Ausstellung "Erlebnis E-Mobilität" am 31.8.und 1.9. in Ziegenhain geben. Mit den Rotkäppchenland E-Ladesäulen soll ein erster Schritt zur Aufbau einer Ladeinfrastrukt ur getan werden. Dies ist sicherlich nicht das Ende einer Entwicklung, sondern eine erste Stufe, ein Projektabschnit t.
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+3 # Leser 2013-08-08 13:10
spiegel.de/.../ ...

Nur mal so ein kleiner Ausflug in die Welt der Kommunen die die Stromnetze übernehmen wollen.

" "Es wird immer schwieriger, ordentliche Renditen mit dem Netz zu erwirtschaften.""
Schuld sei auch der Boom der erneuerbaren Energien, und das gleich zweifach. Er verlange immense Investitionen, jedes Windrad und jede Solaranlage müsse ans Netz angeschlossen werden. Gleichzeitig könne die BEW die Kosten auf immer weniger Kunden umlegen - denn wer etwa eine Solaranlage auf dem Dach hat, muss für den selbst genutzten Strom keine Netzentgelte zahlen. Die wiederum kann Elmer nicht einfach erhöhen, denn sie werden von der Bundesnetzagent ur festgesetzt. Bei ihr dringt Elmer deshalb vehement auf höhere Renditen. "Sonst wird das Stromnetz irgendwann ein Zuschussgeschäf t", sagt er. Gleichzeitig nagt auch der harte Wettbewerb beim Verkauf von Strom und Gas an den Gewinnen der BEW.
usw.
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