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Regine Müller (SPD) kritisiert eigene Regierung Drucken E-Mail
Freitag, den 23. September 2016 um 14:16 Uhr

Regine Müller ©Foto: Archiv | nh24Über einen Skandal im ländlichen Raum: Kinderkriegen - aber wo?
SCHWALMSTADT | ALSFELD.
In einer Pressemitteilung geht die Schwalmstädter Landtagsabgeordnete Regine Müller hart mit den Ursachen, die zur Schließung der Alsfelder Geburtshilfestation geführt haben, ins Gericht:

„Nachdem der aufgrund exorbitant gestiegenen Berufshaftpflicht- Prämien für Hebammen sich die Situation für werdende Mütter und junge Familien bereits merklich verschlechtert hat, geht es jetzt den kleineren Geburtshilfestationen im ländlichen Raum an den Kragen. Ab 2017 wird es im Alsfelder Krankenhaus keine Entbindungsstation mehr geben“, so die Landtagsabgeordnete.

Drastisch erhöhte Versicherungsprämien, sinkende Vergütung für (Spontan-) Geburten machen die Geburtshilfe in kleineren Krankenhäusern zu einem "Verlustgeschäft", kritisiert die engagierte Sozialdemokratin und reagiert erschrocken: „Das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da wird beklagt, daß in unserer Wohlstandsgesellschaft zu wenig Kinder auf die Welt kommen. Daß der ländliche Raum eine demographische Veränderung zu gegenwärtigen hat, die bedrohliche Dimensionen annehmen wird.“

Heutige Krankenhausfinanzierung geht auf Ulla Schmidt (SPD) zurück

Mit der Verabschiedung des „Fallpauschalengesetz (FPG)“ vom 23. April 2002 unter der Amtszeit von Ulla Schmidt (SPD) und durch die Verordnung zum Fallpauschalensystem für Krankenhäuser (KFPV) vom September 2002 wurden in den Kliniken die diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) eingeführt, die hohen Versicherungsgebühren in der Folge aber in den Leistungsvereinbarungen ignoriert.

Aber auch die Kliniken und Ärzte werden von Frau Müller kritisiert: „Daß die Quote der Normalgeburten sinkt und die Rate der Kaiserschnitte in der Geburtshilfe in den letzten Jahren drastisch gestiegen ist; sehr oft ohne konkrete medizinische Indikation. Um die gravierenden Gefahren, Nachteile und Folgeschäden für die Kinder und Mütter weiß man sehr genau Bescheid."
In der Tat kann eine Klinik für einen Kaiserschnitt rund 70 Prozent höhere Kosten abrechnen. Hat sie die Mehrkosten dafür im Griff, steigt der Verdienst. Das wäre allerdings skandalös, um bei der Wortwahl der Landtagsabgeodneten zu bleiben.

Armutsrisiko durch Kinder

Dass die Worte der Politik – auch der aktuellen Großen Koalition - nicht mit den Taten übereinstimmen, bemängelt die gelernte Erzieherin, die vor Annahme des Landtagsmandates einen Kindergarten in Frielendorf geleitet hat: "‘Kinder sind unsere Zukunft`, ‚Kinder sind unser höchstes Gut‘, jungen Familien und allein stehenden Müttern müssen Parolen wie diese zunehmend als hohles Getön vorkommen.“ "Vor einigen Tagen", so die Volksvertreterin weiter, "konnten wir alle den Medien entnehmen, dass Kinder zu den größten Armutsrisiken gehören. Kinder und Alleinerziehende (meistens Frauen, selbstverständlich!!!) sind über proportional von Armut betroffen."

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"Es fehlen Kindergartenangebote und Ganztagsschulen; Bildungserfolg in Deutschland hängt sozusagen existenziell von der sozialen Stellung der Eltern ab", erklärt Regine Müller.
Die Kommunen kritisieren ebenfalls, von der Bundesgesetzgebung im Stich gelassen zu werden.

Emotionales Statement fernab der aktuellen CDU/SPD-Bundespolitik

Am Schluss der Presseinformation wird Frau Müller emotional: „Gibt es noch wesentlich mehr Gründe für junge Familien und besonders Frauen, sich sehr genau zu überlegen, ob man sich auf das "Geschäft" des Kinderkriegens einlässt? Um wieder auf die Situation der Menschen in unserer Region, die sich dennoch entschlossen haben, Kinder zu haben, zurückzukommen: Das Krankenhaus in Alsfeld schließt seine Geburtshilfe, die Klinik in Schwalmstadt- Ziegenhain freut sich, weil dort die Geburtenzahlen ansteigen werden. Diejenigen, deren Weg zu einem Ort, an dem man sicher sein Baby zur Welt bringen kann, unter ‚Umständen‘ bis zu einer Stunde dauern kann, freuen sich sicher nicht.“

Und weiter kritisch: „Ein weiteres Risiko bei einem der größten Lebensereignisse, einem der größten Abenteuer, auf die sich eine Frau überhaupt einlassen kann, einer Geburt. Ein Skandal im ländlichen Raum; ein Skandal werdenden Müttern gegenüber; ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft. Was unsere jungen Familien und damit wir alle brauchen, sind

Hebammen, die in der extremen Lebenssituationen von Geburt und Wochenbett helfen, erklären und beistehen.

Einigermaßen überschaubare Wege zur Geburtsklinik.

Unterstützung und Sicherheit für Kinder und werdende Mütter.

Eine liebevolle und umsorgende Willkommenskultur Kindern gegenüber.

Es muss den Anschein haben, dass genau diese Willkommenskultur im ländlichen Raum noch kleiner wird, als sie sowieso schon ist", mit diesen Worten geht Frau Müller auch hart mit der regionalen Politik ins Gericht. "Furchtbar schade für Mutter und Kind. Für uns als Gesellschaft ein Ast, an dem wir wider besseres Wissen selber sägen. Ein Skandal." Damit schließt die parteipolitisch wenig gefärbte und eher durch Diskurs geprägte Presseinformation. (rs)

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Kommentare

 
+22 # Faktenchecker 2016-09-23 14:49
Was genau will uns die Müllerin also sagen?

* "Hebammen, die in der (sic!) extremen Lebenssituation en von Geburt und Wochenbett helfen, erklären und beistehen."

Geburt und Wochenbett sind extreme Lebenssituation en? - nicht eher das Natürlichste der Welt?
- Frau Müller scheint selbst nie Mutter gewesen zu sein.
Dafür gehört sie mindestens 17 Vereinen an.
.../index.php?r ubric=ZUR%20PER SON


* "Einigermaßen überschaubare Wege zur Geburtsklinik."

Welche Geburtsklinik war das nochmal, die im Urwald liegt, wo alle Wege unüberschaubar im Dickicht verlaufen?

* "Unterstützung und Sicherheit für Kinder und werdende Mütter."

Die dafür Zuständigen nennt man Väter und Familien. Und die erledigen das in der Regel ziemlich gut.

* "Eine liebevolle und umsorgende Willkommenskult ur Kindern gegenüber."

Babies als Refugees aus der Gebärmutter?

-

q.e.d.
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+35 # Autsch 2016-09-23 14:52
Getreu dem Slogan des geschätzten Literaturkritik ers Marcel Reich-Ranicki: "Was will uns der Autor damit sagen?"

Frau Müller beschreibt eine Situation, die schon seit Jahren besteht so, als handele es sich um eine neue Entwicklung. Eltern und Familien sehen sich dieser, wenn auch traurigen, Realität schon seit Jahren gegenüber. Es ist doch nicht neu, dass Kinder viel Geld kosten. Und eine Entscheidung für Kinder bei ungünstigen Verläufen das Risiko der Armut steigern. Sie erhoffen und erwarteten sich Antworten, insbesondere doch von Vertretern der Partei, die sich selbst in der Verantwortung für soziale Gerechtigkeit sieht. Aber passieren tut eben nichts, weil Eltern eben keine Lobby haben, nicht mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen können und nicht systemrelevant sind wie Banken.

Ein langes Thema: um es abzukürzen, wo sind die Vorschläge und Ideen, die Vision und Ziele von Frau Müller, was ist ihr ganz persönlicher Einsatz bei dieser Fragestellung? Immer auf die nächsthöhere Instanz zu schimpfen, dass kennen wir nur zu gut. Politiker sind nicht dazu da die Realität zu beschreiben, sie sind dazu da sie zu gestalten. Es wird Zeit!! Und Verbesserungen gehen da los, wo wir wohnen und leben, man muss und darf nicht auf Land oder Bund hoffen oder warten. Und genau an der Stelle der Kinder- und Familienfreundl ichkeit hat Schwalmstadt noch großen Nachholbedarf.
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+32 # kimyhi 2016-09-23 15:48
Na, da hat Frau Müller aber mal wieder einen raus gehauen! Aber vielleicht wusste sie von dem Thema " Kinderkriegen-a ber wo? " vorher noch nichts und wollte die Bevölkerung mit ihrer " emotionalen " Pressemitteilun g aufrütteln? Wirklich kaum zu glauben, dass solche ahnungslosen Menschen im Landtag sitzen !!!
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+7 # Faktenchecker 2016-09-23 16:20
(Hinweis geht weiter...]

Und die Pipillen von Frau M sind auch arg groß geraten.
Ich vermute, das liegt nicht daran, dass Frau M. den selben Stoff nimmt, den Volker Beck schon Mal bei sich hat.
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+40 # bürger 2016-09-23 16:42
Hat Frau Müller nicht erst die Kinder vom Alleeplatz gejagt weil es zu laut ist dort Cart zu fahren? Und nun kommt Sie so?
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+11 # Pragmatikus 2016-09-23 17:25
Das zieht sich bei den Sozialdemokrate n wie ein roter Faden durch alle Instanzen.
Fehlt Geld in der Kommune, ist der Kreis schuld.
Fehlt Geld im Kreis, ist das Land schuld.
Fehlt Geld im Land, ist der Bund schuld.
Nur der arme Siggi Gabriel muss alleine klar kommen.
Wahrscheinlich holen die sich alle noch Taschengeld bei Mama und Papa ab.
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-12 # ziegenhainer 2016-09-23 19:19
Ja diese Skantalpartei.
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-9 # Faktenchecker 2016-09-23 19:43
Chantalpartei?
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-22 # ewald George 2016-09-23 19:30
Wer will den schon in Alsfeld geboren werden?
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+4 # Werner Kalbfleisch 2016-09-23 21:45
Unsere Politiker in Stadt, Kreis ,Land und Bund sollte man zum Teufel Jagen, für allen Mist haben sie Geld.Kinder und erst recht ungeborene sollten wir besonders schützen !, und die wollen Christlich oder Sozial sein ?.Diese Politik kann keiner verstehen .
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-6 # muenchinger 2016-09-24 13:40
ich bin dafür das man bei den so genannten grossen volksparteien wie cdu,csu,fdp und spd den anfangsbuchstab en entfernt.
mit christlich,sozi al und frei haben die ja eh nix am hut.
liebe mitmenschen denkt mal drüber nach.
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-1 # ziegenhainer 2016-09-24 09:22
Sie sind unchristlich und unsozial!
Diese beiden Parteien braucht keiner!
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+14 # Zella 2016-09-24 10:38
Das ist das erste Mal, dass ich Frau Mueller mit einem Sachthema wahrnehme. Ansonsten hat Sie immer nur den Grüssaugust bei irgendwelchen Veranstaltungen gegeben, ähnlich wie Herr Siebert bei seiner Sommerbereisung . Jetzt kommt Sie halt mit ein bisschen Populismus in die Presse. Sie muss das Thema ja nicht umsetzen. Die SPD ist in Hessen nicht an der Regierung und wird es nie wieder sein
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+14 # Mr.Hyde 2016-09-24 15:34
Da fehlen ja einem eigentlich die Worte ! Vor gar nicht all zu langer Zeit hat Frau Müller die Kart Kinder aus Zgh verbannt und jetzt solche großen Worte . Über drei Tage Dauerkrach bei der Kirmes hatte sie nichts zu meckern , aber bei dem erheblich leiseren Kart Slalom der Kinder an einem Tag im Jahr wohl schon . Dieser Frau geht es jetzt wohl nur darum mit leeren Phrasen ein bischen Wahlkampf zu machen . Das eine Geburtsstation dichtgemacht wird ist wohl der Politik zu verdanken . Wer bis jetzt nicht mal genug Kita Plätze für die immer weniger werdenden Kinder bereitstellen kann ,sollte doch lieber schweigen .Ganz abgesehen von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wer in diesem Staat Kinder bekommt ist allein auf sich gestellt . Der Staat fordert seit Jahrzehnten mehr Nachwuchs und tut dafür einfach NICHTS !
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