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Donnerstag, 11. März 2010 um 05:24 Uhr |
Städte locken Elterntiere mit Futter für Nachwuchs - Tiere stöbern im Müll
Wiesbaden/Frankfurt/Kassel. Füchse streunen derzeit auf der Suche nach Futter für ihren Nachwuchs vermehrt in Gärten umher. Dort finden die Tiere Nahrung in Mülltonnen und Komposthaufen, wie Jagdexperte Ralph Mann von der unteren Jagdbehörde in Wiesbaden im ddp-Interview sagte. Auch die Jagdbehörde in Frankfurt kennt das Verhalten seit Jahren. Doch die Fachleute sehen keinen Grund zur Sorge: Tollwut gibt es in Hessen offiziell seit 2009 nicht mehr. Experten raten, den Fuchs als Wildtier zu behandeln und ihn nicht an die Nähe von Menschen zu gewöhnen.
«Früher hat man angenommen, nur das Muttertier würde Futter für die Jungen suchen», sagte Mann. Heute wisse man, dass bei Füchsen auch der Rüde an der Nahrungssuche für die Jungen beteiligt sei. Da im März die Jungfüchse zur Welt kämen, sei nicht verwunderlich, dass derzeit viele streunende Füchse gemeldet würden. Die Elterntiere suchten nicht nur in Komposthaufen und Mülltonnen nach Nahrung, sondern bedienten sich auch an bereitgestelltem Katzenfutter.
Zur Vorsicht rät der Experte beim Verzehr von Kräutern, Pilzen und Früchten, die in Bodennähe wachsen: «Wo Füchse entlanggehen, kann sich der Fuchsbandwurm verbreiten.» Die Pflanzen und Früchte sollten deshalb gut abgewaschen und vor dem Verzehr erhitzt werden.
Füchse seien von Natur aus menschenscheu. «Es ist gut, wenn die Tiere die Scheu vor dem Menschen behalten», sagte Mann. Damit sich die Wildtiere nicht an Menschen gewöhnten, sollten sie mit Wasserspritzpistolen oder lautem Geklapper von Töpfen verjagt werden. Hilfreich könnten auch im Garten verteilte Hundehaare sein, weil der Hund ein natürlicher Feind des Fuchses sei. Auch mit Petroleum getränkte Lappen hielten Füchse auf Abstand.
Wie in Wiesbaden sind auch die Fachleute der Jagdbehörde in Frankfurt mit dem Besuch der Wildtiere vertraut. «Siedlungsgebiete sind für die Füchse wie ein warmes Buffet», sagte der Arbeitsgruppenleiter für Waffen- und Jagdangelegenheiten, Peter Voss. Die Tiere haben sich seiner Ansicht nach bereits dauerhaft im Stadtgebiet eingerichtet. «Füchse waren grundsätzlich schon immer in Städten vorhanden», betonte er.
Der Naturschutzbund (Nabu) in Hessen beobachtet das Auftauchen der Füchse in Städten seit 20 bis 30 Jahren. «In Grüngürteln und Stadtwäldern, auf Brachflächen, eigentlich überall, wo es grün ist, gibt es Reviere von Füchsen», sagte der Sprecher des Verbandes, Berthold Langenhorst. Der Fuchs sei dabei nicht das einzige Tier, das in Siedlungsgebiete vordringe. Auch Singvögel, Wildschweine und Schmetterlinge fänden ihre Nahrung mittlerweile leichter in Städten als in freier Wildbahn. Einen Grund dafür sieht Langenhorst in der «intensiven Landwirtschaft» und dem Einsatz von Spritzmitteln. «In Berlin gibt es mittlerweile die größte Artendichte Deutschlands», fügte er hinzu.
Die Zahl der Füchse in Hessen schwankt nach Angaben der Experten seit Jahren leicht. Offiziell werden nur die Angaben über tote Tiere erfasst. So registrierte der Landesjagdverband hessenweit rund 44 000 tote Füchse im Jahr 2008, im Jahr davor waren es circa 45 000. In Wiesbaden wurden im vergangenen Jahr 470 durch Jäger erlegte und durch Verkehrsunfälle getötete Tiere gezählt, 2008 waren es 420 Tiere. Frankfurt stellte 2008 insgesamt 277 tote Füchse fest, im Jahr davor waren es 262. (ddp-hes) |
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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 11. März 2010 um 16:12 Uhr |