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Die Würde des Menschen gilt auch in der Bioethik
Freitag, 25. Dezember 2009 um 10:30 Uhr
Bischof Heinz Josef AlgermissenBischof Algermissen predigte an Weihnachten im Fuldaer Dom

Fulda.
Der Mensch habe nicht nur einen Wert, er habe Würde – daher dürfe man das aus der Ökonomie stammende Wort „Wert“ nicht einfach auf den Menschen übertragen. „Die Würde ist nicht austauschbar oder verfügbar und nicht an Bedingungen geknüpft, sondern gilt unbedingt.“ Dies stellte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen an Weihnachten in einem festlichen Gottesdienst im Hohen Dom zu Fulda heraus. Dennoch würden heute in Forschung und biopolitischen Entscheidungen Bedingungen für die Menschenwürde gestellt, so etwa bei der vorgeburtlichen Früherkennung (Pränataldiagnostik).

Auf der einen Seite erhöhe sie die Heilungschancen, auf der anderen Seite fördere sie die Tendenz, „nicht nur nach den Schwächen eines Kindes im vorgeburtlichen Leben zu fahnden, sondern nach den Schwachen und sie umzubringen“. Der Oberhirte machte deutlich, daß die Auswahl zwischen „wertvollen“ und „unwerten“ Kindern unter der Würde des Menschen sei. „Gerade das Fest der Menschwerdung Gottes bestimmt unser christliches Menschenbild in seiner Tiefe und läßt uns die personale Identität von menschlichen Embryonen und geborenen Menschen als unbedingt und unaufgebbar bekennen.“ Diese dürfe durch politische Rhetorik nicht in Frage gestellt und am Ende gar zerstört werden.

Zu Beginn seiner Predigt erinnerte der Oberhirte an die Hilflosigkeit, mit der in Krankenhäusern an Weihnachten Chefarzt, Oberschwester und Stationsarzt von Bett zu Bett gingen und den Patienten ein frohes Fest wünschten. Auch wenn man gesund und daheim sei, sei doch die „Seligkeit dieses Festes“ keineswegs selbstverständlich. Selbst am Heiligen Abend könne man leicht ziemlich hilflos sein: „Das Geschenk, das ausgesucht wurde, ist außerstande auszudrücken, was man eigentlich wollte. Das Wort, das man sich sagt, ist nicht das lösende Wort, das man eigentlich in dieser Stunde brauchte.“ Es bleibe mitten im Fest, inmitten der Freude, eine Einsamkeit, die man nicht auf die Seite schieben könne. Das spürten vielleicht am stärksten die jungen und die alten Menschen. Die Jungen seien aus der Kinderweihnacht herausgewachsen, aber mit Rücksicht auf die Eltern „machen sie irgendwie mit und spüren doch eine innere Fremde“. Genauso hörten die alten Menschen wohl, daß man ihnen sagt, wie gut es sei, daß sie noch dabei sind.

Bischof Algermissen betonte, es sei gut, sich am Weihnachtsmorgen „diese Zwiespältigkeit, diesen feinen Riß“ einzugestehen. Mit solcher Aufrichtigkeit sei man dem wirklichen Weihnachten viel näher als mit festlichen Gefühlen. Auch die Heilige Schrift sei an Weihnachten „ziemlich unsentimental“. Jesus komme in eine Welt mit Zwielicht und Schatten, damals wie heute. „Er kommt, und in der Herberge ist kein Platz. Was sind das für Menschen, die eine hochschwangere Frau und deren Kind nicht aufnehmen? Was für ein Gesicht zeigt die Welt in dem Augenblick, wo Gott sich aufmacht, sie heimzusuchen?“ So komme Gott draußen vor der Tür auf die Welt. „So nimmt er den Platz draußen an, den wir ihm zugewiesen haben. Er sammelt dort alle, die auch ‚draußen’ sind: zuerst die Hirten, später die Zöllner und Sünder, die Aussätzigen und Geisteskranken.“ Damit verwandle Jesus das Draußen in ein Drinnen und mache er den „letzten Platz“ zu dem Ort, an dem die Welt verwandelt werde.

„Das ist die Botschaft von Weihnachten: Gott nimmt den Platz ein, den wir ihm zumuten. Gott im Stall: das greift tief und ändert alles!“, hob Algermissen hervor. „Darum gibt es endlich Frieden, nicht nur für die Sieger, sondern auch für die Verlierer.“ Den Frieden Gottes gebe es nicht nur für die Einflußreichen und „Leistungsträger“ unter den Menschen, die allen Grund hätten, mit sich zufrieden zu sein, sondern auch für die, die an der Grenze ihrer Existenz nicht mehr ein noch aus wüßten. Gleiches gelte nicht nur für die Menschen mit der heilen Biographie ohne Bruch, sondern auch für die, die stumm, hilflos und mit Scham auf ihr Leben zurückschauten. Und den Frieden Gottes gebe es nicht nur für die Vorzeigefamilien mit den begabten Kindern, sondern auch „für die zerbrochenen Familien, für die Alleinerziehenden und die Kinder, die irgendwann zwischen den Jahren vom anderen Elternteil abgeholt werden“.

Als tröstlich bezeichnete es der Bischof, daß auch ins Weihnachtsfest hinein das Dunkel des eigenen Lebens reichen und es auch an Weihnachten den Schmerz geben dürfe. „Gott ist da für uns, in unerhörter Weise. In ihm finden wir Frieden und uns selbst. Er gibt uns Teilhabe an seiner göttlichen Natur, indem er Mensch wird. Mit anderen Worten: Er steckt in unserer Haut, in unserem Fleisch und Blut; er ist ganz darin eingefleischt.“ Das sei der Angelpunkt der Menschenwürde. Ob Frau oder Mann, schwarz oder weiß, Christ oder Nichtchrist, jeder sei unwiderruflich von Gott gewollt und angenommen. Größeres lasse sich vom Menschen kaum sagen. „Christen lassen sich von niemandem darin übertreffen, groß vom Menschen zu denken“, unterstrich Bischof Algermissen. (bpf)
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