Kassel. Unverwundbar sollte Achilleus werden. Deshalb tauchte ihn seine göttliche Mutter Thetis in den Unterweltfluss Styx. Das Wasser erreichte jedoch nicht die Ferse, wo sie ihn hielt. Dort blieb er für den Pfeil des Gottes Paris verletzbar. Genauso geht es der menschlichen Achillessehne – vermeintlich die stärkste Sehne des Körpers, fingerdick, ist sie doch nicht vor allem gefeit. Hohe Belastungen beim Sport lassen die am Fersenbein ansetzende und zwei Handbreit höher in den Wadenmuskel übergehende Sehne bisweilen reißen.
Fußballer trifft es eher als Krawattenträger Man kennt die Bilder aus Fußballspielen. Das Spiel ist in vollem Gange und plötzlich, ohne Vorwarnung, fällt ein Ballack, Podolski oder Lahm zu Boden – wie ein gefällter Baum. Diagnose: Archillessehnenruptur. Bei sportlich aktiven Menschen und besonders bei Fußballern reißt die Sehne überdurchschnittlich oft. Ebenso risikoreich sind andere Sportarten, wo die Sehne ruckartig stark gedehnt wird: Ski fahren, Springen oder Laufen. Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren erwischt es am häufigsten. Also doch besser die Krawatte gar nicht ausziehen und auf Sport verzichten? Dr. Dieter Krackrügge, Facharzt für Orthopädie in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel erläutert: „Es ist natürlich immer besser, Sport zu treiben als es zu lassen. Denn in einem trainierten Körper ist auch die Achillessehne trainiert und kennt die abrupten Bewegungen. Vorsichtig sollten untrainierte Menschen sein. Sie sollten nicht gleich zehn Kilometer joggen“.
Ein Knall wie ein Peitschenhieb Ein Achillessehnenriss ist nicht zu überhören. Menschen, die davon betroffen waren, berichten von einem lauten Peitschenknall. Typisch ist auch, dass er wie aus heiterem Himmel kommt. Gerade ist man noch fröhlich gelaufen und plötzlich reißt die Sehne wie ein überdehntes Gummiband. Erst dann setzt ein stechender Schmerz ein und normales Gehen ist nicht mehr möglich. Was nun? „Man sollte möglichst sofort zum Arzt gehen. Behandelt man die Ruptur sofort, wenn sich die Muskulatur noch nicht zurückgezogen hat, wird der Heilungsprozess enorm beschleunigt“, so Dr. Krackrügge. Und weiter: „Deshalb gilt an unserer Klinik die Regel: Wenn wir uns fürs Operieren entscheiden, dann operieren wir sofort, auch am Wochenende.“ Der Thompson-Test zeigt, ob die Sehne tatsächlich gerissen ist. Dazu drückt der Arzt dem knienden Patienten beidseitig auf die Wadenmuskulatur. Wenn ein Beugen des Fußes nicht mehr möglich ist, liegt ein Riss vor. Die Ultraschalluntersuchung zeigt zusätzlich den Abstand der Sehnenenden und die Lage des Risses. Was nicht zusammenwächst, wird zusammengenäht Eine gerissene Achillessehne kann konservativ oder operativ behandelt werden. Liegen die Sehnenenden nah beieinander, ist es möglich, den Fuß durch einen Spezialschuh in der Spitzfußstellung zu fixieren. So kann die Sehne wieder zusammenwachsen. Zusammennähen, also operieren muss man bei zu großem Abstand der gerissenen Sehnenenden. Danach erhält der Patient einen Gips oder Spezialschuh. Der Heilungsprozess dauert in beiden Fällen sechs bis acht Wochen. „Unabhängig vom Alter des Patienten bringt eine OP in der Regel einen höheren Funktionsgewinn“, erklärt der Fachmann. Und auf die Frage, wann man wieder Sport treiben kann und wie man einen erneuten Riss verhindert, antwortet er: „Der ganze Spuk dauert leider mindestens drei bis vier Monate. Erst dann ist die Sehne wieder voll belastbar. Vorbeugend sollte immer das Motto sein: vor dem Sport aufwärmen, nach dem Sport dehnen.“
Ansprechpartner Dr. Dieter Krackrügge Facharzt für Orthopädie in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel Wilhelmshöher Allee 345 34131 Kassel Tel: 0561/3084-0
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