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Streit mit vermeintlich rechtsextremem Nachbarn in der Wetterau
Donnerstag, 08. Juli 2010 um 15:22 Uhr
Internet-Video von Übergriff - Gegenseitige Überwachung mit Kameras
Der 58-Jaehrige Werner S. (vorn, l.) und seine Frau stehen  mit Mitgliedern der Initiative «Graetsche gegen Rechtsaussen» vor ihrem Haus in Echzell- Gettenau (Wetterau). (©Foto: Thomas Lohnes/ ddp)
Echzell.
Etliche Bewohner der Wiesengasse in Echzell in der Wetterau scheinen misstrauisch zu sein. An den Fassaden ihrer Häuser haben sie Kameras angebracht, die so hoch hängen oder so fest verschraubt sind, dass niemand sie verdrehen kann. Die halbe Straße ist ständig im Fokus von Objektiven. Der Grund: Vor einem Nachbarn haben manche regelrecht Angst, der 24-jährige Patrick W. sei ein Neonazi, sagen sie jedenfalls. Vor einem halben Jahr gründete sich die Bürgerinitiative «Grätsche gegen Rechts» in Echzell - so wie es an anderen Orten auch passiert, wo sich erklärte Rechtsradikale niederlassen. Oder vermeintliche.

W. sagt von sich selbst, er sei «deutschnational», aber kein Neonazi. Sein Geld verdient er mit einem Tattooladen und einer Securityfirma. Vor zwei Jahren zog er von Wölfersheim in eine Hofreite im benachbarten Echzell. In Wölfersheim war W. nicht mehr gelitten, weil er nach Erkenntnissen der Antifaschistischen Bildungsinitiative in Friedberg über das Internet T-Shirts mit rassistischen Motiven vertrieb. Auf archivierten Webseiten ist das Angebot bis heute zu finden. Auf dem Arm trägt W. ein Tattoo, das einen totgeschlagenen Punk abbildet. Bei der Polizei ist er wegen «einer Liste von Straftaten» bekannt, unter anderem wegen Körperverletzung.

«Überall, wo rechtsextremistische oder nach rechts tendierende Menschen zuziehen, entwickeln sich Gegenbewegungen», berichtet der Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, Willi Schwarz. In Butzbach-Hoch-Weisel schlossen sich Bürger zum «Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz» zusammen, nachdem der frühere NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll ein Haus dort gekauft hatte. In Gladenbach (Kreis Marburg-Biedenkopf) demonstrierte das Bündnis «Gladenbach ist bunt» gegen Manuel Mann, der zur Bundestagswahl im Herbst 2009 für die NPD kandidierte.

«Es sind immer nur einzelne Personen, aber sie haben wiederum Kontakt zu anderen. Um sie bildet sich oft ein brauner Kreis oder sie versuchen, Jugendliche anzuwerben», sagt Schwarz. Die Polizei gehe mit solchen Fällen «schon recht sensibel» um, was bedeuten soll: Sie behält die Rechten im Blick.

In Echzell ist nun die Situation eskaliert. Patrick W. hat unter dem Pseudonym «pauldeprinz» ein Video auf der Internetplattform Youtube eingestellt, das von einer Kamera über dem Eingang zu seiner Hofreite in der Wiesengasse aufgenommen wurde. Es zeigt, wie der gegenüber lebende Nachbar Werner S. eines Nachts in W.s Haus geht, um sich über Partylärm zu beschweren. S. ist Mitglied bei «Grätsche gegen Rechts». W. sagt, er feiere gern laute Partys. Auf dem Video ist zu sehen, wie der 58-jährige S. versucht, mit einer Leiter an W.s Haus hochzusteigen, offenbar um eine auf sein Haus gerichtete Kamera abzuwenden. Daraufhin kommen mehrere Partygäste auf die Straße, zerren an S., ziehen ihm die Hose aus, verhöhnen ihn.

«Nervlich bin ich gerade am Ende», sagt Werner S., der sich nach eigener Aussage bei dem Vorfall auch Schürfwunden zuzog. Er bat seinen Anwalt, gegen das Video vorzugehen. Ob es in der Auseinandersetzung zwischen den beiden Nachbarn im Kern um W.s vermeintlich rechte Gesinnung geht, ist für die Behörden unklar. Polizei und Ordnungsamt halten es für möglich, dass hier private Streitereien politisch aufgeladen werden.

Aus Sicht der Bürgerinitiative «Grätsche gegen Rechts» wiegt etwas anderes schwer: Das Video zeige ein Polizeiauto und auch einen Polizisten, doch keiner komme S. zur Hilfe. Die Polizei im nahen Friedberg prüft die Vorwürfe, teilt aber mit, dass ein Beamter sehr wohl eingeschritten sei. Patrick W. bestätigt das. Selbst S. macht der Polizei keinen Vorwurf.

Die Fraktionen von SPD und Linkspartei im hessischen Landtag fordern nun aufgrund von Medienberichten, die Polizei habe «einem Neonazi-Überfall tatenlos zugeschaut», eine rasche Aufklärung des Vorgangs. Die SPD-Abgeordnete Nancy Faeser sagt, der Innenausschuss des Landtags müsse umfassend unterrichtet werden. Die Linke kündigt einen dringlichen Berichtsantrag an.

Die Bewohner der Wiesengasse in Echzell werden derweil bald Post vom Ordnungsamt der Gemeinde bekommen. Sie will verfügen, dass die Kameras in der Straße abgeschraubt werden. «Wenn das Geschehen in einem Verkehrsraum ständig aufgezeichnet wird, ist das illegal», sagt Amtsleiter Thomas Alber. Die Gemeinde will Patrick W. selbst im Auge behalten.
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Leser-Kommentare

Komisch das es zu diesen 'Provinspossen' erst gekommen ist, als der 'nette Nachbar' zugezogen ist.
Warum ist er nicht in Wölfersheim geblieben, wenn er doch so ein lieber Kerl ist? Immerhin hatte er dort ein Gewerbe angemeldetm und Gewerbesteuern lässt sich heute eigentlich keine Gemeinde gerne entgehen?
Daumen hoch für alle, die es wirklich komisch finden was da läuft!

von faschossindpeinlich, am Montag, 30. August 2010 um 22:43

tolles Video.
kann 'wetteraugegenrechts' nur zustimmen! ein horror solche nachbarn zu haben, die einem versuchen die tür einzuschlagen und mit einer leiter ins haus einsteigen möchten.....
unter dem deckmantel 'gegen rechts' nehmen sich hier einige vandalen ganz schön was raus.wollt ihr gutmenschen dort etwa eine befreite zone schaffen ?
ist rassimus nicht auch, wenn man den eigenen nachbarn, nur weil man in optisch in eine schublade steckt, so angeht ? daumen hoch für alle die das nicht seltsam finden, was dort läuft.

von Torsten, am Donnerstag, 22. Juli 2010 um 19:31

Das ist eine Provinzposse a` la Maschendrahtzaun. Der entsprechende Prospekt ist auch schon gedruckt. Über Rocker hat man sich früher auch schon aufgeregt. Die heißen jetzt Nazis (Oberbegriff). 'Antifaschisten' haben wieder ein Thema für sich. Und kriegen auch vom Staat noch Geld dafür.

von OWL`er, am Donnerstag, 22. Juli 2010 um 11:01

Es muß ein Albtraum sein, als Hausbesitzer solche Typen in der Nachbarschaft zu haben. Ich fühle mit den Anwohnern der Wiesengasse. Lasst Euch nichts gefallen von den Braunen!!
Nazis raus aus der Wetterau, Ihr habt hier nichts verloren !!!!

von WetteraugegenRechts, am Sonntag, 11. Juli 2010 um 14:57

Die Überschrift enthält doch schon eine Verharmlosung der Taten, da wird von 'vermeintlichen' Nazis geredet. Es handelt sich aber nunmal um Nazis, da hilft kein Verniedlichen und verharmlosen, da muss entscheiden und mit aller Härte des Gesetzes gegen vorgegangen werden. Auch die Presse muss sich ihre verharmlosende Berichterstattung abgewöhnen, denn damit wird den 'Faschisten nur in die Hände gespielt!

von antifaschist, Homepage hier am Samstag, 10. Juli 2010 um 10:53

danke für die teilweise sehr korrekte berichterstattung kommt selten vor das man auch mal die gegenseite zu wort kommen lässt.
wenn 3 kameras von werner s. abgehängt werden teile ich hiermit mit das ich meine auch ohne verfügung (die das ordnungsamt sowieso nicht bekommen würde) miene kameras ab zu hängen. da sollte dann aber auch mal wert darauf gelegt werden das die schmierereien an meinen fahrzeugen ein ende hat und das endlich mal aufgeklärt wird.
mfg patrick wolf

von patrick wolf, am Freitag, 09. Juli 2010 um 17:50

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Seite 1 von 1 ( 6 Leser-Kommentare )

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